Fukushima-Nervenkitzel: Selfie in der Todeszone

Foto: Prof. Haruhiko Aokumursa CCBY

"Bitte rasch durchfahren - nicht anhalten": Die Warntafeln sind eindeutig - und doch riskieren allzu viele Touristen und Neugierige entlang der National Road 114 bei Fukushima für ein Selfie eine (zu) hohe Strahlendosis - nur fürs Foto.

Es ist makaber: Auf der Fahrt durch das einst als tourisrtisches Highlight in Ostjapan bekannte Gebiet um die spätestens 2011 zu trauriger Berühmtheit gelangte Provinz Fukushima riskieren immer häufiger allzu unvorsichtige Fahrer und Beifahrer ihre Gesundheit. Für den Nervenkitzel eines Smartphone-Selbstportäts bleiben sie entgegen aller Sicherheitshinweise am Straßenrand stehen - um in der Evakuierungszone rund um das nach einem Tsunamie havarierte AKW von Daiichi zu fotografieren.

 

Urlaubs-Selfie mit Thrill: Touristen in Fukushima

 

Manche lichten sich dabei sogar mit einem Geigerzähler ab, dessen Ausschlag die Gefahr kennzeichnet. Sie bannen das als Nachweis ihres Muts mit aufs Bild. Darüber berichtet jetzt der britische Telegrafph.

Beamte der Bezirksregierung in Fukushima stellten daher aktuell an dem 45 Kilometer langen Abschnitt der regionalen Verbindungsstraße extra 26 neue Hinweistafeln auch in englischer Schrift auf: Sie warnen die Autofahrer davor, anzuhalten oder gar auszusteigen.

Erst im September des Vorjahres hatten die Behörden den Bewohnern des Gebiets gestattet, ihre 2011 nach der Flut und der Havarie im AKW verlassenen Häuser - etwa in Städtchen Namie - wieder für kurze Besuche, die streng überwacht und begleitet werden, in ihre Häuser zurückzukehren. Viele hatten sie 2011 Hals über Kpf verlassen und viele Gegenstände einfach zurücklassen müssen.

 

 

Wohnen im Sperrgebiet von Fukushima

Wahnsinn oder Leichtsinn: Die Einwohner von Futaba sollen wieder zurück in ihre Kleinstadt ziehen dürfen - dabei liegt sie ganze sechs Kilometer von 2011 geborstenen Unglücks-AKW von Fukushima entfernt.

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Bislang durften die National Road 114 nur Arbeiter benutzen, die immer noch damit beschäftigt sind, über sie das kontaminierte Material aus der verstahlten Zone um Fukushima abzutransportieren. Nun wurde die Straße auch wieder zur Durchfahrt für Touristen geöffnet - allerdings unter Auflagen. Die aber nehmen viele der Besucher nicht wirklich ernst. Sie wollen den Thrill spüren und zuhause mit ihren Fotos aus der Todeszone prahlen.

Motorräder, Fahrräder oder gar Fußgänger dürfen die Straße ohnehin nicht befahren oder betreten. Nordwestlich des zerstörten Kernkraftwerks, das berichtet der Telegraph seien die Strahlungswerte nach der Kernschmelze im Reaktor noch immer lebensgefährlich hoch.


pit

 

 

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