Gletscher in der Wüste

Foto: Sonam Wangchuk

Die Region Ladakh am oberen Lauf des Indus nimmt fast 40 % der Fläche des Bundesstaates Jammu und Kashmir ein. Am Rande des Himalayagebirges auf einer Höhe von 3000 m ü.d.M. gelegen, sind die Täler bekannt für die ihre Schönheit. Ladakh ist ein sehr trockenes Gebiet, da das Gebirge die Monsonregen im Winter abhält. Früher gingen die Himalayagletscher bis weit in die Täler hinunter. Durch den Klimawandel aber zogen sie sich immer weiter zurück und Teile von Ladakh gleichen heute der Sahara.

 

Damit künftig wieder Landwirtschaft dort möglich ist, hat ein indischer Ingenieur damit begonnen, künstliche Gletscher zu schaffen. Sonam Wangchuks Idee war, das Wasser, dass im Winter in Bäche und Flüsse fließt, bis zum Frühling wenn die Bauern es brauchen, einzufrieren. Dazu sammelt er im Winter das Schmelzwasser und leitet es durch eine unterirdische Leitung ins Tal. Mit Hilfe von hydrostatischem Druck, schießt es im Tal wieder aus dem Boden, kristallisiert bei Temperaturen von -20°C oder mehr und bildet so einen Eis-Stupa, dessen Form an ein buddhistisches Bauwerke erinnern soll. Im Frühjahr schmilzt dann das Eis und kann für die Bewässerung genutzt werden.

 

Foto: Wangchuk / Facebook

Mit Hilfe eines Crowdfunding-Projekts konnte Wangchuk 2015 eine 2,3 Kilometer lange Leitung legen, die verschiedene Gletscherströme aus mindestens 60 Meter höher gelegenen Regionen an einen Ort lenkt. Das Ganze funktioniert ohne Pumpem und Einsatz von Energie, nur nach physikalischen Gesetzen. Da die Außenfläche seines Stupas minimal im Verhältnis zur Eismenge ist, schmilzt das Eis langsamer. Der 6 Meter hohe künstliche Eisberg speicherte 150.000 Liter Wasser und hat bis Mai gehalten. Für sein Projekt erhielt er 2016 den "Rolex Award for Enterprise", das Preisgeld von 100.000 Schweizer Franken will Wangschuk nutzen, um unter anderem die Technik weiter zu entwickeln. Sein Wunschziel ist es, dutzende mindestens 30 Meter hohe Eis-Stubas zu schaffen, von denen jeder etwa 10 Hektar Land mit Wasser versorgen kann. Um eine Plattform für weitere Innovationen zu schaffen, ist das Himalaya-Institut für Alternativen, Ladakh (HIAL) in Planung.


hjo

 

Infos über das Projekt gibt es unter icestupa.org

Infos zum geplanten Himalaya-Institut gibt es hier hial.co.in

 

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