Kalter Krieg: Wenn Eis taut, taucht Gefahr auf

Screenshot: Science

Erbe des kalten Kriegs verbreitet erneute Schrecken: Im ewigen Eis auf Grönland hofften US-Militärs über Jahrzehnte ihre Umweltsünden für immer verstecken zu können. Jetzt zeichnet sich ab, dass der Klimawandel das Eis taut – und gefährliche Chemikalien und Atommüll wieder ans Tageslicht kommen.

Den Ort im eisigen Norden nannten sie „Camp Century“. Dort wollten die US-Soldaten auf Jahrhunderte ihre Altlasten verbuddeln – und die Gefahr vergessen. Der Klimawandel macht ihnen jetzt einen Strich durch die Rechnung.

 

Studie zeigt die Gefahr aus dem „ewigen“ Eis

 

Auch auf Grönland taut das Eis. Die Wände des in die Gletscher gegrabenen Schutzbunkers schmelzen in der neuen Wärme der nordischen Sommer. Sie legen plötzlich frei, was die Militärs längst verdrängt hatten: In den (noch) eisigen Tunnelröhren lagern die Überbleibsel des einstigen Projekts „Eiswurm“ - alte Treibstoff-Fässer, Behälter mit langlebigen organischen Verbindungen, PCB oder auch strahlender Abfall aus dem Kernreaktor, der zwischen 1959 und 1967 die Energie für die Besatzung von „Camp Century“ lieferte.

Laut einer jetzt veröffentlichten Studie drohen die Lagerstätten noch im Laufe des Jahrhunderts völlig aufzutauen – und ihr Inhalt ungeschützt in die Umgebung zu gelangen.

 

Flugzeug-Crash: Atombomben im ewigen Eis

 

Im Wissenschaftsblatt Science vemutet der Glaziologe Liam Colgan von der York University in Toronto (Kanada), dass der Vorgang auch die multinationale und vor allem die über Generationen gestreute Dimension des Altlastproblems offenbaren werde.

Neben den PCB, das vor allem auch in den Anstrichen des Abhör- und Raketenabwehr-Camps lagert, befürchten die Experten vor allem die verstrahlten Überreste – etwa von der Bruchandung eines B-52- Bombers, der 1968 mit vier Wasserstoffbomben an Bord beim Absturz rund 200 Kilometer von „Camp Century“ entfernt im Eis zerschellte.


pit

 

 

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