Klimaschutz: Lebensmittel nicht verschwenden

Foto: pixabay CC/PublicDomain

Lebensmittelverschwendung abbauen ist ganz konkreter Klimaschutz. Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) errechneten jetzt in einer neuen Studie, dass die Reduktion des Nahrungsmittel-Abfalls die Treibhausgas-Emissionen auf dem Planeten um rund 10 Prozent senken kann.

„Derzeit findet ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion nicht den Weg auf unsere Teller“, begründen die Wissenschaftler um Ceren Hic ihre Forschung. Dieser Anteil werde drastisch weiter steigen, weil Schwellenländer wie China oder Indien den westlichen Ernährungsstil übernähmen. Diese Lebensmittelverluste einzudämmen helfe einerseits, die Ernährungssicherheit auf der Erde zu verbessern – und es könne „auch helfen, gefährlichen Klimawandel zu vermeiden“.

 

Klimawandel: Lebensmittelproduktion setzt Treibhausgase frei

 

Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Experten im Fachjournal Environmental Science & Technology.

Die Ergebnisse der Arbeiten zeigen, dass die Lebensmittelverfügbarkeit in den letzten fünf Dekaden stark angestiegen ist, obwohl der Nahrungsmittelbedarf pro Person im globalen Mittel fast konstant bleibt. „Vor allem zeigt unsere Arbeit, dass sich das Verhältnis zwischen Verfügbarkeit und Bedarf der Nahrung mit der Entwicklung verändert“, sagt dazu Mitautor Prajal Pradhan: Das drücke sich auch dadurch aus, dass reichere Länder mehr Nahrung konsumieren als gesund ist, oder eben Lebensmittel verschwenden.

Deshalb, so die Wissenschaftler, könnten die mit Lebensmittelverlusten verbundenen Emissionen enorm ansteigen. Sie berechnen diesen Anstieg von heute 0,5 auf 1,9 bis 2,5 Gigatonnen CO2-Äquivalente bis Mitte des Jahrhunderts.

 

Grafik: PIK

Durch starkes demografisches Wachstum – vor allem in Entwicklungsländern – und Veränderungen der Lebensstile werden allein die landwirtschaftlichen Emissionen bis 2050 wohl auf bis zu 18 Gigatonnen CO2-Äquivalente ansteigen – das zeigen bereits vorangehende Arbeiten der Forscher. „Die Emissionen, die auf verschwendete Nahrungsmittel zurückgehen, sind daher nur die Spitze des Eisbergs,“ sagt Pradhan. „Dennoch ist es erstaunlich, dass bis zu 14 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft relativ einfach vermieden werden könnten, zum Beispiel durch eine bessere Nutzung und Verteilung von Nahrungsmitteln. Individuelle Verhaltensänderungen sind deshalb auch ein Weg, um die Klimakrise zu mindern.“

 

Nicht nachhaltig: Milliarden Tonnen Lebensmittel pro Jahr verschwendet

 

„1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden derzeit verschwendet,“ sagt Jürgen Kropp, Ko-Autor und stellvertretender Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität. Während Lebensmittelverluste überwiegend auf weniger effiziente landwirtschaftliche Infrastrukturen in Entwicklungsländern zurückgehen, ist die Lebensmittelverschwendung dagegen eher ein Thema in reichen Ländern. „Für Schwellenländer wie China und Indien ist ein Anstieg der Lebensmittelverschwendung zu erwarten – als Konsequenz aus weitreichenden Lebensstiländerungen, wachsendem Wohlstand und einem Ernährungswandel hin zu mehr Produkten aus Tierhaltung. Dies könnte gleichzeitig jedoch Bemühungen zum Klimaschutz unterminieren.“


red

 

 

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