Kreative Wissenschaft: Biostrom aus Pferdeäpfeln

Foto: TUHH

Pferdemist als Energiequelle: Ungewöhnlich wie die Stromproduktion aus Pferdeäpfeln ist auch die Forschungsfinanzierung. Die junge Doktorandin Saskia Oldenburg von der TU Hamburg will über Crowdfunding bis Februar 10.000 Euro sammeln. Die braucht sie für eine Pilotanlage zur Aufbereitung von Pferdemist für die Biogasproduktion. Im global°-Interview erklärt sie Hintergründe.

Saskia Oldenburg gehört zu den ersten deutschen Nachwuchswissenschaftlern, die das Internet zur Kapitalbeschaffung für ihre Wissenschaftsidee nutzen. Ab fünf Euro können Interessierte einsteigen. Beim Einsatz von 500 Euro winkt dem Spender ein in Acrylglas gegossener Pferdeapfel als Dankeschön…

 

Ungewöhnliche Aktion zur Finanzierung von Wissenschaft

 

„Nur wenn die 10 000 Euro auch tatsächlich zusammenkommen, fangen wir an, den Prototyp im Technikumsmaßstab zu bauen“, sagt Saskia Oldenburg. Die Uhr also tickt. Die Energie-und Umweltingenieurin ist überzeugt, dass ihre Werbeaktion gelingt.

Die Argumente bestechen:

Ökologen dürfte überzeugen, dass mit Pferdemist Treibhausgase vermieden und der Anbau umstrittener Energiepflanzen für Biogasanlagen reduziert werden und fossile Energieträger eingespart werden können.

Den Betreibern der etwa 6.000 Biogasanlagen in Deutschland stünde mit aufbereitetem Pferdemist ein neues Substrat zur Verfügung, das verlässlich und zudem kostengünstig die Produktion gewährleisten könnte.

Landwirte dürften sich darüber freuen, dass damit eine Lösung für die Entsorgung der seit Jahren ansteigenden Masse an Pferdemist gefunden werden könnte, ein bislang kaum beachtetes energetisches Potenzial.

Auch die Reiter würden profitieren, denn sie werden für die Lagerung des Pferdemists inzwischen kräftig zur Kasse gebeten.

 

Saskia Oldenburg erklärt global° ihr Energiekonzept

 

Wie groß schätzen Sie den tatsächlichen Pferdemist-Haufen?

Laut einer von uns durchgeführten Umfrage bei den Tierseuchenkassen leben zurzeit mindestens 884.000 Pferde in Deutschland. Abhängig von Haltungsart, Einstreu oder Futter variiert der Anfall zwischen 23 und 45 Kilogramm Frischmasse pro Pferd und Tag. Daraus errechnet sich in Deutschland ein theoretisches Potenzial von 7,4 bis 14,5 Millionen Tonnen Frischmasse Pferdemist.

 

Welcher Energieausbeute würde das entsprechen?

Pferdemist hat, abhängig von der Zusammensetzung ein Biogaspotenzial zwischen 350 und 600 Liter pro Kilogramm organischer Trockensubstanz und einen Heizwert von 15 bis 17,8 Megajoule pro Kilogramm Trockensubstanz. Damit entsteht ein theoretisches maximales Potenzial von 4 bis 13 Terawattstunden pro Jahr durch die Nutzung in Biogasanlagen.

 

…und das heißt?

Zweieinhalb aufbereitete Tonnen Pferdemist könnten idealerweise eine Tonne „Energiemais“ ersetzten.

 

Wie lange, glauben Sie, wird der Bau der Anlage dauern?

Die Anlage im Technikumsmaßstab kann im kommenden Jahr gebaut und optimiert werden. Finden wir Sponsoren aus der Wirtschaft, könnten wir eine Pilotanlage für eine Biogasanlage im Jahr 2014 realisieren, testen und optimieren.

 

Wie teuer würde - geschätzt - eine solche Anlage einmal sein?

Ich kann Ihnen nicht sagen, wie teuer diese Anlage genau sein wird. Aber ich versichere Ihnen, dass es wesentlich günstiger ist, als die Technik in der Biogasanlage anzupassen. Wenn die Preise für die nachwachsenden Rohstoffe und fossilen Energieträger weiter so steigen, rentiert sich das Aufbereitungsaggregat sehr schnell.

 

Wagen Sie eine Kostenschätzung, wie teuer Strom aus Pferdemist damit einmal sein könnte?

Der Strompreis hängt sehr stark von der Gesetzeslage und Entwicklung am Markt ab, Sicher ist jedoch, dass sich Strom aus Pferdemist auch ohne Subventionierung lohnt.

 

Gibt es denn genug „Nachschub“ an Pferdemist, auch wenn Sie den „Vorrat“ abgebaut haben?

Jedes Pferd produziert täglich Mist Pferdemist ist also ein Substrat, welches kontinuierlich in großen Mengen anfällt. Also wird der „Vorrat“ nie „aufgebraucht“.

 

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