Neue Atomkraftwerke in der Türkei

Foto: ap/S. Bentrup

Seit Freitag steht es fest: die Türkei lässt ein weiteres Atomkraftwerk bauen. Vier Atomreaktoren sollen auf erdbebengefährdetem Gebiet errichtet werden. Den Auftrag konnten sich japanische und französische Firmen sichern, Russland spendet Geld für das Milliardenprojekt.

 

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe schütteln sich die Hände. Der Vertrag über den Bau des bis zu 5000 Megawatt-Kraftwerks ist unterschrieben. Auch die japanischen Firmen Mitsubishi Heavy Industries und Itochu sowie das französische Atomtechnik-Unternehmen Areva müssten in die Hände geklatscht haben: Ihnen wurde der 22 Milliarden US-Dollar-schwere Auftrag übergeben.

2017 soll für das gigantische Kraftwerk in der erdbebengefährdeten Schwarzmeer-Region Sinop der Grundstein gelegt werden. 2023 übernimmt dann der französische Energieversorger GDF Suez die Betreibung.

 

Gleich neben einer Erdbebenspalte baut Russland das erste türkische AKW

 

Bereits 2015 werden russische Bagger in Akkuyu an der Mittelmeerküste auffahren. Der russische Konzern Rosatom beginnt dort, unweit einer Erdbebenspalte mit dem Bau des ersten türkischen AKW. Ab 2019 soll dort Atomstrom fließen.

Moskau baut der Türkei nicht nur das erste AKW, sondern hilft auch bei der Finanzierung für das zweite Mammutprojekt. Russland legt nach eigenen Angaben die Gesamtkosten für das AKW in Sinop aus.

 

Kritik gegen Atomenergie geht in der Türkei unter

 

Der Vertrag für den Bau in Akkuyu wurde kurz nach dem Gau in Fukushima unterzeichnet. Die Atomkritik in der türkischen Bevölkerung ist leider sehr überschaubar. Arbeitsplatzbeschaffung und Wirtschaftswachstum überzeugen viele mehr als Umweltrisiko und Gesundheitsgefährdung. Laut taz konnten Umweltgruppen nur in den regional betroffenen Orten Akkuyu und Sinop Widerstand bei Anwohnern erreichen.

 

Umweltschützer und Geologen kritisieren den Bau beider AKW. Die Gefährdung der Meiler durch Erdbeben sei in beiden Gebieten zu groß. Desweiteren sei die Endlagerung des Atommülls völlig ungeklärt, so die Umweltschützer. Greenpeace hatte bereits 2012 die Türkei aufgefordert, „Abstand von dem Wahnsinn“ mit der Atomenergie zu nehmen und stattdessen in Solar- und Windenergie zu investieren – ohne Erfolg.

 

Erdogan ist auf der „energetischen Überholspur“. Er möchte sein Land schleunigst aus der energiepolitischen Abhängigkeit und aus Schulden unbeglichener Gas- und Erdölrechnungen manövrieren. Die Türkei bezieht derzeit noch 97 Prozent ihrer Energielieferungen aus dem Ausland. Bis 2023 möchte Erdogan, laut n-tv, dass die Türkei zehn Prozent ihres Strombedarfs selbst stemmt. Dabei setzt er auf Atomstrom. „Ein bizarrer Weg!“, heißt es auch aus Deutschland.

 

 

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