Noch immer dicke Luft in deutschen Städten

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/09

Besser - aber lange noch nicht erträglich: "Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid (NO2) ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen", schreibt das Umweltbundesamt (UBA) in einer aktuellen Pressemeldung. Erste Schätzungen der Stickoxid-Grenzwertüberschreitungen hätten ergeben, dass statt 90 nur noch in 70 Städten gesundheitsgefährliche Abgas-Mengen gemessen wurden.

Kein Grund zur Entwarung: Das UBA registrierte nämlich immerhin noch immer an rund 46 Prozent der verkehrsnahen Messstationen eine Überschreitung des erlaubten Grenzwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Jahresmittel. An zwei Drittel der Messpunkte überstiegen die Werte mit mehr als 45 µg/ m³ das erlaubte Maß "sogar deutlich", urteilten die UBA-Expteren.

 

Maßnahmen für saubere Luft in Städten wirken - aber langsam

 

Für Amtschefin Maria Krautzberger geht der Trend in die richtige Richtung. "Wir sind aber noch längst nicht am Ziel", kommentiert sie die Messungen, "immer noch liegen viele Städte deutlich über dem seit 2010 einzuhaltenden Grenzwert, viele Einwohner sind also weiter zu viel gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid ausgesetzt." Schuld an der schlechten Luftqualität seien "vor allem die Diesel-Autos mit hohen Realemissionen, die oftmals erst in den vergangen Jahren zugelassen wurden und in den Städten unterwegs sind".

Krautzberger ist sioch daher auch sicher, dass "die Maßnahmen des Diesel-Gipfels mit Software-Updates und Umtauschprämien nicht ausreichen, um die Luft in den Städten so zu verbessern, dass die Grenzwerte überall eingehalten werden". Gebraucht werde vielmehr dringend die Hardware-Nachrüstung der Autos und leichten Nutzfahrzeuge. Die UBA-Präsidentin: "Nur so können wir die Gesundheitsbelastungen durch Stickstoffoxide schnell und vor allem dauerhaft senken.“

Den Rückgang der mittleren Stickstoffdioxidbelastung an verkehrsnahen Messstationen im Jahr 2017 um zirka zwei Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel wertet das UBA als Indiz dafür, dass die durch die Dieseldebatte angestoßenen Maßnahmen in den Städten anfangen zu wirken. So wurden beispielsweise örtlich Tempolimits eingeführt sowie durch Straßenverengung der Verkehr reduziert, es wurden öffentliche Verkehre gefördert und Busse nachgerüstet. Bundesweit wurden Autos mit hohen Realemissionen durch Software-Updates hinsichtlich ihrer NOx-Emission leicht verbessert. Außerdem erneuerte und veränderte sich die Fahrzeugflotte hin zu weniger Dieseln: Das Kraftfahrbundesamt (KBA) zeigt in seinen Neuzulassungszahlen 2017 eine Verschiebung hin zu benzinbetriebenen PKW. Ihr Anteil steigt um über elf Prozent gegenüber 2016, Diesel verlieren über 15 Prozent.

Wie sich die einzelnen Maßnahmen jeweils auf die Luftqualität auswirkten, so das Amt in seiner Meldung, lasse sich mit den vorliegenden Daten derzeit nicht exakt bestimmen. Die NO2-Messdaten und deren Rückgang bestätigen allerdings, dass Software-Updates und der Rückkauf alter Diesel-PKW nur ein begrenztes Minderungspotential hätten.

Die aktuellen UBA-Zahlen rufen auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter auf den Plan. "Die Bundesregierung lässt die Menschen in den Städten mit dreckiger Luft seit vielen Jahren allein." Der Politiker ist sicher: "Die wenigen erzielten Verbesserungen konnten nur die betroffenen Städte mit städtebaulichen Maßnahmen erreichen." Er fordert daher mehr Geld für die Kommunen zur Einführung einer "Blauen Plakette" oder zur Umrüstung ihrer eigenen Fahrzeugflotten auf emissionsfreie Antriebe.


pit

 

 

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