Regenwetter fördert Kreativität

Foto: wikimedia commons/ Chenshilwood

Klimawandel ist per se schlecht – zumindest glauben wir das. In der Mittleren Steinzeit führten plötzliche Klimaveränderungen allerdings zum Aufblühen menschlicher Kulturen entlang der Küste Südafrikas. Größere Niederschlagsmengen erweiterten das Nahrungsspektrum der Homo sapiens und sicherten somit das Überleben größerer Gruppen. Verstärkte Interaktionen zwischen Nachbarn, kreative Innovationen und kulturelle Weiterentwicklungen waren die Folge.

 

Wissenschaftler aus London und Barcelona rekonstruierten die klimatischen Bedingungen an der Ostküste Südafrikas der vergangenen 100.000 Jahre. Mithilfe eines Bohrkerns aus Meeressedimenten konnten sie nachweisen, dass es einen plötzlichen Klimawandel in der mittleren Steinzeit – vor 80.000 bis 40.000 Jahren – gab. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie diese Woche in der Zeitschrift Nature Communications.

 

Eiseskälte im Norden, Hitzewellen im Süden

 

Dr. Martin Ziegler von der Cardiff University School of Earth and Ocean Sciences erläutert: „Wir haben herausgefunden, dass Südafrika eine rapide Klimaänderung hin zu feuchteren Bedingungen erlebte währenddessen die nördliche Hemisphäre extrem kalte Bedingungen erlebte.“ Die Abkühlung der Nordhalbkugel in dieser Zeit geht sehr wahrscheinlich auf veränderte Zirkulationen im Atlantik zurück, wodurch geringere Mengen von Warmwasser in den Norden gelangten. Im Gegensatz dazu durchlebten große Teile Afrikas südlich der Sahara sehr trockene Zeiten. Die bis vor Kurzem noch unbekannten humiden Verhältnisse an der südafrikanischen Küste erklärt Ziegler mit der globalen Verschiebung des Monsun-Gürtels nach Süden.

 

Zieglers Kollege, Professor Ian Hall, fügt hinzu: „Als wir die Zeitpunkte dieser plötzlich auftretenden nassen Phasen mit archäologischen Daten verglichen, stellten wir bemerkenswerte Überschneidungen fest. Das Auftreten verschiedener Industrien [Kulturen] die Mittlere Steinzeit fallen eng mit den Perioden mit zunehmenden Regenereignissen zusammen.“ Auch das Verschwinden dieser Kulturen korrespondiert mit den Zeiten nachlassender Niederschläge, so der Forscher.

 

Klimawandel beeinflusst menschliche Kulturen nachhaltig

 

Professor Chris Stringer vom Natural History Museum in London ergänzt, dass die Wissenschaft derzeit darüber debattiert, was genau den Erfindungsreichtum in menschlichen Gruppen vorantreibt. Ist es umweltbedingter Stress, der die Menschen zur Anpassung zwingt, oder sind es verbesserte und stabile Lebensbedingungen? Auch eine gewisse Bevölkerungsdichte und Austausch zwischen benachbarten Gruppen sind nötig, damit kulturelles Wissen nicht verloren geht und Ideen weiterentwickelt werden können.

 

„Die Übereinstimmung zwischen klimatischer Verbesserung und kulturellen Innovationen unterstützt die Annahmen, dass Bevölkerungswachstum den kulturellen Wandel durch eine Zunahme an menschlichen Interaktionen beschleunigt,“ sagt Stringer. Ob dieses Phänomen nur in Südafrika auftrat und somit die Entwicklung des Menschen entscheidend beeinflusste, muss erst in weiteren Studien gezeigt werden. Der Wissenschaftler geht aber davon aus, dass sich das Klima auch in anderen Regionen des Kontinents auf menschliche Kulturen auswirkte. JET

 

 

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