Sage nicht, Du hast nichts gewusst

Cover: Oekom Verlag

Antworte einmal niemand, auf die Frage seiner oder ihrer Enkel, er oder sie hätten nichts davon gewusst...

Spätestens seit viele Junge gerade in Deutschland ihre älteren Verwandten bis heute bohrend nach den Gräueltaten der Nationalsozialisten im zurückliegenden Jahrhundert frag(t)en, muss uns dieser Aufsatz elektrisieren. Das Leugnen dessen, was viele vor Augen hatten, aber nicht wahr haben wollten, führte damals ins moralische Chaos. Auf ganz anderem Feld zwar, jedoch von kaum minderer Tragweite, bahnt sich jetzt die nächste Katastrophe an. Sie übertrumpft in ihrem Ausmaß sogar jene schreckliche – doch wieder trotten die Menschen sehenden Auges auf den Abgrund zu.

Der Essay der renommierten Wissenschaftshistoriker Naomi Oreskes und Erik M. Cinway widmet sich daher der Frage zurecht: Warum reagiert die Menschheit erneut, als ob sie die Dramatik nicht registriere? Warum leugnet sie wider besseres Wissen auch dieses Mal die Folgen ihres Tuns und verschärft mit Nichtstun die Lage des gesamten Planeten mit allen auf ihm existierenden Lebewesen?

 

Fiktion vom „Zeitalter der Halbschatten“ liefert Arguement für Widerstand

 

Im Stil der düsteren Visionen eines Aldous Huxley oder George Orwell erzählt ihr Band von nichts weniger als „Vom Ende der Welt“. In einer fiktiven Rückblende aus dem Jahr 2393 schreiben Oreskes und Conway die Chronik des angekündigten Untergang der Erde und der auf ihr bis heute existierenden Zivilisation: Sie analysieren darin die – zumeist wirtschaftlichen – Gründe des absurden Festhaltens an (macht-)politischen Strukturen, die erkennbar die Situation verschlimmern, statt die letzten und allerletzten Chancen doch noch wahrzunehmen, dem Untergang zu entrinnen. Der Essay legt die Verflechtungen der verantwortlich Agierenden offen und entlarvt die psychologischen Zwänge der Wissenden. Die verharr(t)en wie die Kaninchen vor der Schlange und gingen wie treue Lämmer zur Schlachtbank. Trotz vor- und offen liegender Fakten. Denn die heimlichen Steuerkräfte des von Oreskes und Conway so bezeichneten „Penumbrischen Zeitalters“, des an dessen Schwelle wir alle demnach heute am Anfang des 21. Jahrhunderts stehen, wirken weit in die Zukunft. Sie werfen ihre Schatten auf die Erde und die Menschheit.

Das schmale Büchlein jedoch bringt Licht ins Dunkel. Es liefert die Argumente und Fakten, mit denen wir den Widerstand begründen können, um den – scheinbar unausweichlichen – Lauf der Dinge doch noch zu korrigieren. Nur so bliebe das Ende der Welt eine bloße Fiktion.


pit

 

 

Naomi Oreskes / Erik M. Conway

Vom Ende der Welt

Chronik eines angekündigten Untergangs

Oekom Verlag, München 2015

128 Seiten

9,95 €

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