Zögern bei Klimaschutz: Energie 80 Prozent teurer

Foto: Wikimedia/W.J. Pilsak

Zögern kostet: Abwarten im Klimaschutz verdreifacht die Kosten der Bekämpfung des Klimawandels beträchtlich. „Wenn erst nach 2030 gehandelt wird, könnte das globale Wirtschaftswachstum sich im ersten Jahrzehnt nach der Einführung einer umfassenden Klimapolitik bis zu sieben Prozent verringern“, berechneten jetzt Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Die Zahl liege bei nur zwei Prozent, falls eine Klimavereinbarung bereits 2015 getroffen werde.

Die Studie> kommt zum Ergebnis, dass diese hohen Kosten vermieden werden müssen. Sie erhöhten für alle Entscheider in Politik oder Wirtschaft die „Schwelle für den Übergang zu einer kohlenstoffärmere Wirtschaft“, heißt es in einer Pressemeldung des PIK. „Die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen, die sich ergäben, wenn sich der Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise weiter verzögert“, sagt etwa Studien-Autor Gunnar Luderer, „sind vergleichbar mit den Kosten der gerade erlebten weltweiten Finanzkrise.“

 

Zögerliche Politiker schuld an höheren Energiepreisen

 

Seine Begründung: Je später klimapolitische Maßnahmen ergriffen werden, desto schneller – und teurer – müssten die Emissionen verringert werden, wenn die Staaten weltweit das international vereinbarte Ziel erreichen wollen, die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad über dem vorindustriellen Wert zu beschränken. Während aber Politiker über die Bedingungen eines neuen Klimaabkommens weiter reden, steigen die Klima-Emissionen weiter – und vergrößern das zu lösende Problem stetig.

Foto: ap/Kellermeister

Die Forscher haben die ökonomischen Herausforderungen des Klimaschutzes mit Hilfe umfangreicher Computersimulationen untersucht. Sie berechneten 285 alternative Klimaschutzszenarien, in denen Annahmen zum Verlauf internationaler Klimaverhandlungen, der Verfügbarkeit von emissionsarmen Technologien wie Solarenergie, Windkraft, Biomasse, CCS und Energieeffizienz, sowie zur Stringenz langfristiger Klimaschutzmaßnahmen variiert wurden. Zur ökonomischen Bewertung der Szenarien untersuchten sie Indikatoren wie Vermeidungskosten, Energiepreise und potentielle Finanztransfers in einem internationalen Kohlenstoffmarkt.

„Zum ersten Mal werden in unserer Studie die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen des klimapolitischen Zauderns als Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels benannt“, sagt Luderer. „Ökonomen untersuchen meist, wie sich die Dinge langfristig entwickeln – Entscheidungsträger dagegen machen sich verständlicherweise Sorgen über die zusätzlichen Belastungen für Menschen und Unternehmen, für die sie im Augenblick verantwortlich sind. Höhere kurzfristige Kosten könnten Entscheidungsträger deshalb davon abhalten Umgestaltungsprozesse anzustoßen. So könnten die anfänglichen Kosten letztendlich relevanter als die Gesamtkosten sein.“

 

Selbst rascher Klimaschutz macht Ziele kaum noch erreichbar

 

Die Energiepreise, das ist ein Ergebnis der Studie, könnten sich um bis zu 80 Prozent verteuern, wenn die nötigen Entscheidungen zu spät getroffen werden und erst nach 2030 wirkten, berechneten die Wissenschaftler. Damit geben sie erstmals recht genauen Einblick in die kurzfristigen Konsequenzen ausbleibender politischer Rahmensetzungen. „Solche Preisanstiege sind besonders relevant mit Blick auf die Belastungen armer Bevölkerungsschichten“, betonen sie in einer wertung ihrer Studienergebnisse. Schon jetzt rechnen sie aber mit einem düsteren Klima- und Preis-szenario: „Würde die Entscheidung über eine konkrete, am 2-Grad-Ziel ausgerichtete internationale Vereinbarung bis 2015 getroffen, könnten kurzfristige Energiepreiserhöhungen auf 25 Prozent begrenzt werden.“

Eine Verzögerung bei der Reduktion von Treibhausgasen um zwei Jahrzehnte, so die Potsdamer Experten, würde die Untergrenze erreichbarer Klimaziele schon um 0,4 Grad anheben. Das aber mindert zugleich den verbleibenden Flexibilitätsrahmen. „Das zeigt, wie die Fortsetzung ineffektiver Klimapolitiken den Optionsrahmen für die zukünftige Klimapolitik verringert und gleichzeitig die Hürde für den Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft erhöht“, sagt Luderer. Bereits heute müsse sich die Welt auf Grund der CO2-Emissionen der Vergangenheit und der Langwierigkeit des Umbaus zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft „auf 1,7 Grad globaler Erwärmung einstellen“, so die Wissenschaftler.


pit

 

 

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