Coffee-to-go: Stylisch - aber Last für die Umwelt

Kaffee Foto: Wikimedia CC/H. Zell

Streit um Kaffee-Becher: Nach Berechnungen der Hamburger Verbraucherzentrale vermüllen jährlich etwa 6,4 Milliarden Pappbecher samt Plastikdeckel aus „Coffee-to-go“-Shops unsere Abfallhalden. Die Branche bestreitet das laut Presseinformationen: Sie zählt bloß „weniger als zwei Milliarden Becher“.

Verbraucher in Deutschland trinken pro Jahr etwa 165 Liter Kaffee. Damit übertreffen sie den Konsum von Mineralwasser (140 Liter) und Bier (107 Liter) locker – Kaffee ist ihr Lieblingsgetränk. Und: Sie genießen ungefähr jede vierte Tasse davon außer Haus, schätzt der Kaffee-Verband.

 

Kaffee-to-go Becher: pro Person und Jahr 40 Kilogramm CO2

 

Der Schub fürs Hirn für unterwegs: In Kaffee-Buden, an Tankstellen, beim Bäcker oder in Fastfood-Restaurants gibt es ihn – aufgebrühte Bohnen im Pappbecher und mit Plastikdeckel sind seit einigen Jahren das Markenzeichen der modernen Business-Society. „Die mit den Papptassen verbundene Umweltbelastung - durch die Herstellung und Entsorgung – rechnen weder Kunden noch Kaffeeverkäufer bisher mit“. Das sagt Umweltexperte Dirk Petersen von der hanseatischen Verbraucherzentrale: Die Produktion eines einzigen Bechers verursache 110 Gramm Kohlendioxid (CO2). Pro Person und Jahr summiere sich dies auf 40 Kilogramm CO2, das als Treibhausgas die Atmosphäre erhitzt.

 

Kaffee-Verband: Hygienegründe sprechen für Einwegbecher

 

 

Coffee-to-go Foto: Archiv

Der Deutsche Kaffeeverband verteidigt die Einwegbecher. Ohnehin liege der Verbrauch nach seinen Erkenntnissen nicht bei 80, sondern bei 23 pro Kopf und Jahr. Die Branche zitiert eine Studie aus den Niederlanden. Die berechnete die sogenannten „Schattenkosten“ der Pappbecher, die Umweltbelastung eines Produktes oder Systems in Euro ausdrücken. . Das Forschungsinstitut für angewandte Wissenschaft TNO beziffert diese Kosten für wiederverwertbare Becher auf 2,52 bis 4,67 Euro. Der Einwegbecher schwanke zwischen 0,85 Euro und 1,45 Euro. „Aus Sicht des Deutschen Kaffeeverbandes können somit ökologische und auch hygienische Aspekte gute Gründe für die Nutzung eines Einwegbechers darstellen“, zieht dessen Hauptgeschäftsführer Holger Preibisch sein Fazit.

Die Branche nimmt auch die Kunden in die Pflicht. Viele nämlich entschieden sich etwa in Steh-Cafés, die das Getränk auch in Tassen anbieten, doch für den Pappbecher. „Sie wollen ja nicht den ganzen Tag mit einem Becher herumlaufen, sondern sich spontan dann einen Kaffee kaufen, wenn sie Lust darauf haben“, zitiert eine Presse-Agentur einen Kaffee-Shop Mitarbeiter.

 

Verbraucherschützer: Becher sind auch ein Gesundheitsproblem

 

Dabei ist für die Verbraucherschützer, die jetzt eine Kampagne für Mehrweg-Becher starten, nicht nur der Müll das Problem. Sie sehen auch die Gesundheit der Konsumenten bedroht. „Die Becher sind innen mit Kunststoff beschichtet, von dem auch schädliche Stoffe an den Kaffee abgegeben werden können“, sagte etwa Dirk Petersen. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung könne da niemand ausschließen.


pit

 

 

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