Updated Mantelteilung

Foto idgie gutmensch

Sankt Martin und die Mantelteilung stehen für den Gedanken von Barmherzigkeit, Teilhabe und Hilfsbereitschaft. Eine Einstellung, die wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden sollte.

Es ist St. Martin. Die Kinder ziehen mit Laternen um die Häuser, singen und erfreuen sich an Weckmännern. Und wieder mal wird diskutiert, ob der Martinszug nicht lieber in „Lichterfest“ oder „Laternenfest“ umbenannt werden soll. Geht’s noch?

 

Ich selbst bin konfessionslos, bemühe mich immer um Toleranz und respektvolles Miteinander und liebe den Gedanken, dass Deutschland ein buntes, weltoffenes Miteinander ermöglicht. Aber Deutschland ist nun mal ein christlich geprägtes Land und hat auch christliche Feste wie Sankt Martin. So what? Und der Gedanke der Barmherzigkeit, der hinter diesem Brauch steht, wird von allen Welt-Religionen getragen. Also, warum sollen nicht Kinder aller Nationen und Religionen ihren Spaß haben und fröhlich singend ihre Laternen schwingen dürfen?

 

Nebenbei es gibt wunderschöne, nachhaltige Laternen aus Milchkartons – auch für den kleinen Geldbeutel.

www.geo.de/geolino/basteln/15127-rtkl-upcycling-laternen-aus-milchkartons

 

Also, Deutschland mag christlich geprägt sein, aber längst gehören auch andere Religionen hier hin. Unsere syrischen Freunde machen uns ganz selbstverständlich auch Weihnachtsgeschenke und wir feiern mit ihnen das Zuckerfest. Und aus Solidarität legen wir zu Ramadan auch einen Fastentag ein, den wir gemeinsam mit der muslimischen Familie verbringen.

Es kann absolut nicht schaden, mal ein wenig zu fasten und sich darauf zu besinnen, dass ausreichend Essen und Trinken für viele Menschen weltweit keine Selbstverständlichkeit ist.

 

Und genau darum geht es doch bei der Geschichte vom St. Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Es geht um Empathie, um Teilhabe, es geht um Hilfsbereitschaft für Denjenigen, der weniger hat. Dieses Verhalten könnte heutzutage gut einen Refresher und ein update vertragen.

 

Stichwort: Brot für die Welt, aber die Wurst bleibt hier.

 

Es gibt genug Möglichkeiten der modernen Mantelteilung – nicht nur kurz vor Weihnachten.

 

In unserer Kleinstadt gibt es z.B. jedes Jahr einen Strick-Wettbewerb. Das Ergebnis sind jede Menge wärmende Schals, Pullover und Handschuhe über die sich Obdachlose freuen. Und es gibt auch einen Wunschbaum. Da darf man sich eine Karte nehmen und den darauf notierten Wunsch eines Kindes aus einer einkommensschwachen Familie erfüllen.

 

Ein Lebensmittelladen bietet alljährlich im Advent die Möglichkeit, Spendentüten für die Tafeln zu kaufen. Prominente laden zum Gänsebraten oder zum Konzert ein und zeigen ihr soziales Engagement. Auch das ist Mantelteilung 2018. Nicht nur sprichwörtlich den alten Mantel zur Kleiderkammer bringen und die ausrangierte Vase in die Give-Box stellen.

 

Aber nicht nur die Menschen hier brauchen Hilfe. Hier geht es den meisten vergleichsweise noch einigermaßen gut. Zumindest Trinkwasser ist bei uns verfügbar. Das ist nicht überall so. Mindestens 1/3 der Weltbevölkerung hat keinen ständigen Zugang zu ausreichendem, sauberen Wasser oder zu Sanitäranlagen. Aber es fehlt nicht nur an Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, Bildungsmöglichkeit und Zukunftsperspektiven.

 

Die dazu erarbeiten 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der UN sind in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt und die Durchsetzung wird noch auf sich warten lassen.

www.unicef.de/informieren/ueber-uns/unicef-international/neue-entwicklungsziele/entwicklungsziele-verstaendlich-erklaert

 

Die reichen Staaten wie Europa wecken Begehrlichkeiten und so mancher sehnt sich nach einer besseren Zukunft bei uns. Ist das nicht verständlich?

 

Natürlich muss das vernünftig geregelt werden. Der Migrationspakt ist zumindest ein guter Anfang und ermöglicht Migranten jetzt auch zum Arzt gehen zu können. Aber es muss noch weitere Regelungen geben. Stichwort: Legale Einreise / Einwanderungsgesetz. Und statt Ängste zu schüren nach dem Motto: „Hilfe, da könnte mir Jemand etwas wegnehmen“ geht es darum, neue Nachbarn mit anderen Hintergründen als Bereicherung zu erkennen.

 

Natürlich verursachen die Aufnahme von Geflüchteten und Asylsuchenden zunächst große Kosten. Aber dafür bekommt unsere Wirtschaft Arbeitskräfte und unsere Sozialkassen Beitragszahlungen. Vielleicht kann man sich auch mal Gedanken machen, woher die sogenannte Flüchtlingskrise kommt und wer sie verursacht?

Jean Ziegler war UN Sonder-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung und hat gesagt. „Es geht nicht darum, den Armen mehr zu geben, es geht darum, ihnen weniger zu stehlen“.

 

Wir stehlen ihnen alles.

Wir stehlen die Bodenschätze mit seltenen Erden für unsere Handys

Wir stehlen den Grund und Boden durch Landgrabbing

Wir stehlen die Anbaumöglichkeiten durch nicht keimendes und manipuliertes Saatgut und Abhängigkeit von Monopolisten

Wir stehlen das Grundwasser durch Praktiken wie in „bottled life“ gesehen

Wir stehlen die Zukunftsperspektiven durch Agrardumping

Wir stehlen ihre Gesundheit durch Export von unseren Schadstoffen etc.

 

Und was geben wir ihnen dafür? Hurrikans, Erdrutsche, Überschwemmungen, Missernten …..

 

Thema Klimagerechtigkeit

Die Verursacher des Klimawandels sind wir Menschen der Industriestaaten, hier entstehen die meisten Treibhausgase. Wir heizen das Klima mit unserem Konsum an. Die Auswirkungen davon spüren aber in erster Linie die Entwicklungsländer. Und wenn der Meeresspiegel weiter steigt, werden manche Regionen und Inselstaaten wie die Malediven einfach keinen Lebensraum mehr bieten. Holland und Cuxhaven werden sich durch Deiche schützen können. Entwicklungsländer eher nicht.

 

Es ist also angesagt, auch global über Teilhabe, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit nachzudenken.

 

Entwicklungshilfe im bisherigen Stil allein kann es nicht richten. Zumal die Gelder manchmal in dunklen Kanälen versickern oder nur den Boden für Investoren ebnen. Da ist auch die Politik gefragt. Aber was kann man da erwarten? Gerade wird in den Medien viel von den Cum Ex Deals geredet. Da wurden allein in der EU Steuern in Höhe von mind. 55 Milliarden EURO hinterzogen. Und gleichzeitig erwägt man ernsthaft, einen Cum-Ex Verantwortlichen zum Parteivorstand einer christlich sozialen Partei zu wählen. What? Geht’s noch?

 

Aber abgesehen von der Politik können auch wir als Verbraucher Verantwortung übernehmen und einfach mal bewusster konsumieren.

Wir alle wissen, unter welchen Bedingungen unsere T-Shirts u.a. in Pakistan produziert werden, freuen uns aber trotzdem über den günstigen Preis. Aber für alles, was hier billig ist, zahlt irgendwer irgendwo einen hohen Preis.

 

Das gilt für die T-Shirts genauso wie für den billigen Haarschnitt oder die Schweineschnitzel. Man kann nicht nur zu Sankt Martin ganz praktisch Mantelteilung zelebrieren. Wie wäre es denn mal mit einzigartigen Geschenken? Verschenken Sie doch mal Ziegen oder Hühner? Oder lieber Trinkwasser, Schulbildung oder Impfrationen?

unverpackt.oxfam.de

www.vivaconagua.org

www.caritas-international.de/spendenhelfen/kreativspenden/worldgifts/wasser.aspx

Und die Unesco hat nicht nur wundervolle Weihnachtskarten…

Bitte aber immer das Spendensiegel beachten.

www.dzi.de/spenderberatung/das-spenden-siegel/

 

Oder schenken sie doch einfach mal Vertrauen und investieren sie in satte Menschen statt satter Profite. Schon ab 25 € kann man einen Mikrokredit vergeben und einem Menschen eine Zukunftsperspektive ermöglichen. kiva-deutschland.org

Das Risiko ist gering, die Rückzahlungsraten sind mit über 95% extrem hoch und wenn das Geld zurückkommt kann man wieder und wieder helfen. Auch das ist Mantelteilung - udated version 2018

 

 


13.11.2018 10:48
Idgie Gutmensch

idgie-gutmensch@outlook.de