Flohmarkt-App macht Spenden zum Spaß

Screenshot: Münchner Merkus/Klaus Haag

Möbel, Klamotten, Tonträger oder alte Elektrogeräte: Wir horten bisweilen (zu viele) Dinge – bis wir uns entscheiden, sie zu entsorgen: Wegwerfen? Ist meist zu schade! Verschenken: Ist nur eine Option, wenn wir Abnehmer finden.

Genau dabei hilft das SWOP-Team. Drei Gründer entwickelten mit ihrem Münchner Start-up die weltweit erste Wohltätigkeits-Flohmarkt-App. Damit kann jede und jeder ihre oder seine „guten, alten Stücke“ in der Community anbieten. Umsonst! Wer sie haben will, zahlt freiwillig einen Betrag seiner Wahl an eine Charity-Organisation seiner Region. Die SWOP-App verbindet den Spaß neuer Medien mit solidarischer Hilfe. Damit treffen die Gründer Christoph Kastenbauer, Matthias Hoffmann und Thomas Gärtner den Nerv der Community – und bereiten sozialen Organisationen Freude.

 

Warum die Flohmarkt-App?

Christoph Kastenbauer: NPOs zahlen eine Menge Geld für Sachspenden. Klingt erstmal komisch, ist aber so.

 

Weshalb kostet es Geld, wenn ich spende?

Lagerkosten, Aufbereitungskosten – oft zahlen die sozialen Organisationen hier noch drauf. Über unseren digitalen Flohmarkt fallen für die NPO genau diese Kosten weg, während deren Community und Umfeld über unsere Plattform aus diesen potentiellen Sachspenden direkt Geldspenden für die Organisation generiert.

 

Seit wann gibt es die App?

Seit Oktober 2014.

 

Stimmt es, dass die Idee während einer Feuerzangenbowle entstand?

Ja, natürlich. Solche Medienprofis sind wir nicht, dass wir schon Geschichten erfinden (lacht). Manchmal kommen bei den seltsamsten Gelegenheiten die besten Projekte zustande. Wir saßen gemütlich zusammen und plötzlich passte alles zusammen...

 

Wie lange dauerte die Entwicklung?

Insgesamt etwa ein dreiviertel Jahr. Anfang 2014 haben wir uns offiziell gegründet. Dann stellten wir unser Team auf: Zu uns drei Gründern kamen noch ein Software-Entwickler, eine Homepage-Programmiererin und ein Designer – alle ohne Bezahlung, nur von der Idee überzeugt. Die Entwicklung der APP hat etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Dazu kam dann noch die Entwicklung unseres gesamten Außenauftritts und unseres Geschäftsmodells.

 

Wie viele Menschen bieten Dinge über die App an?

Die Zahlen schwanken noch stark, was aber in der Anfangsphase völlig normal ist. In München sind wir etwa mit unserem digitalen Flohmarkt schon recht gut aufgestellt und mit einem breiten Angebot von Gegenständen. In anderen Städten und Regionen ist das teilweise noch etwas weniger. Aber die Tendenz ist auf jeden Fall steigend und der Flohmarkt und die Akquise von Spenden funktioniert bereits recht gut.

 

Wer bestimmt die Spenden-Empfänger?

Bisher derjenige, der den Gegenstand abholt. Allerdings soll sich dies mit unserem nächsten Entwicklungsschritt ändern. Wir haben gerade erfolgreich gecrowd-funded und werden dieses Geld u.a. in neue Funktionen für den Flohmarkt stecken.

 

Ich kann künftig also als Spender mehr mitreden?

Ab sofort sollen mehrere Organisationen pro Region sammeln können, bisher war dies nur eine. Mit der Qual der Wahl wollen wir aber natürlich beiden Parteien bei der Flohmarkt-Transaktion Mitbestimmungsrechte geben. Die Überlegungen dazu laufen noch, aber wahrscheinlich wird es nach einem einfachen 50:50 Prinzip vonstatten gehen.

 

Wer bestimmt die Spenden-Höhe?

Wenn ich meinen Gegenstand auf dem digitalen Flohmarkt einstelle, kann ich als User eine Spendenempfehlung abgeben. Rechtlich bindend ist dieser Betrag allerdings nicht, da niemand in Deutschland zum Spenden gezwungen werden kann...

 

Und wie sind Ihre Erfahrungen?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Leute bei Abholung gerne für den Gegenstand spenden, teilweise mehr als vereinbart und der Gegenstand überhaupt wert war.

 

Wie finanziert sich Ihr Start-up, wenn die Spenden direkt an die NPO fließen?

Grundsätzlich gilt: Die Spenden fließen komplett - abzüglich der Gebühren für die digitalen Bezahldienste - an die NPO. Unser Geschäftsmodell ist, den NPOs eine völlig neue Form des Fundraising anzubieten. Wie schon erwähnt können soziale Organisationen einfach, modern und schnell mit uns Geldspenden akquirieren. Dafür bezahlen sie an uns eine kleine Gebühr, die sich an dem jeweiligen von uns angebotenen Dienstleistungspaket orientiert.

 

Haben Sie ein Kontrollsystem, das die gewünschte Abwicklung garantiert?

Natürlich sehen wir in unserem System, ob jemand für den erhaltenen Gegenstand gespendet hat oder nicht. Wenn dies nicht der Fall ist – das kommt in weniger als zehn Prozent der Fälle vor - schicken wir eine freundliche Erinnerungsmail. Damit belassen wir es erst einmal, da wir natürlich auch niemanden bedrängen wollen und dürfen.

 

Was machen sie, wenn Spender nicht zahlen?

Uns bleibt für die ganz schwarzen Schafe die Möglichkeit, nach mehrmaligem Nicht-Spenden, diese für unsere Plattform zu sperren. Es kann also nicht passieren,dass unsere Plattform für geschäftliche Zwecke missbraucht wird.

 

Was bieten die Leute an: Kleider, Werkzeug, Fahrräder, Elektrogeräte, CDs...?

Es ist eine bunte Mischung. Es ist viel Elektronik mit dabei, aber auch tolle Möbelstücke (die sind für unser Abholprinzip sehr attraktiv), Kinderspielzeuge, Schallplatten, insgesamt viel Nostalgie, wo man nach Herzenslust stöbern und entdecken kann.

 

Was passiert mit defekten Gegenständen?

Wir kommunizieren natürlich an unsere User, möglichst noch gute, funktionierende Gegenstände einzustellen. Wir sind keine Ramsch-, Gerümpel-, oder Wertstoffplattform. Allerdings kann es natürlich vorkommen, dass ein Gegenstand unwissentlich kaputt übergeben wird. Aber das ist ja auch ein Vorteil unseres Konzeptes. Der Abholende des Gegenstandes kann frei entscheiden, ob er für den kaputten Gegenstand einfach aus Gründen des sozialen Engagements spenden will oder eben nicht.

 

Christoph Kastenbauer Foto: SWOP-Team

Was spielte die App schon für wie viele NPO ein?

Auch hier schwanken die Zahlen noch. In Großstädten funktioniert SWOP-Team natürlich deutlich besser, wegen der größeren Bevölkerungsdichte und den kürzeren Wegen bei der Abholung der Gegenstände. In München hatten wir schon Spitzen von fast 200 Euro im Monat für die dortige Stiftung Gute Tat, in anderen Regionen ist das noch deutlich niedriger. Allerdings geht auch hier die Tendenz deutlich nach oben.

 

Ist das steuerbar?

Im Grunde kann die NPO selbst die Spendenhöhe stark beeinflussen, indem sie bei ihrer Community auf mehreren Kanälen und mit vielen Aktionen die Werbetrommel für ihr neues SWOP-Team-Fundraising rührt.

 

Welche NPO (Beispiele) unterstützten Sie mit der SWOP-App?

In ganz Deutschland sind es mittlerweile fast 40 Organisationen. Wir legen hier unseren Fokus auf lokale NPOs, damit die Flohmarkt-Community direkt vor Ort sehen kann, wie ihre Hilfe auch konkret wirkt.

 

Welche sind das beispielsweise?

Das sind etwa in Berlin die Sozialhelden, die eine Vielzahl von lokalen Projekten betreiben, in Köln die Paria-Stiftung, die Trauerbegleitung für Kinder anbieten oder in Schwerin die dortige Tafel, die überschüssige Lebensmittel für sozial schwächer Gestellte zubereitet und verteilt.

 

Wie informiert Ihr Tausende NPO über SWOP?

Mittlerweile funktioniert das schon recht gut über das Weitersagen-Prinzip.

 

Und zuvor?

Am Anfang war das schwierige Einzelakquise, Telefon in die Hand und los. Jetzt bewerben sich bereits viele NPOs von selbst, die entweder über Presse, soziale Medien oder eben über eine von uns bereits betreute Organisation auf uns aufmerksam geworden sind.

 

Können sich also NPO bei Euch um Spenden "bewerben"?

Jederzeit.

 

Wie?

Einfach eine Mail an infoswop-team.de schreiben. Die Aufnahmekriterien sind dabei nicht streng, allerdings muss natürlich die Gemeinnützigkeit gesetzlich bestätigt sein und keine verfassungsfeindliche Gesinnung oder ähnliches – auch nicht im näheren Umfeld – darf hier mitschwingen. Wie gesagt, können wir mit unserem nächsten Update mehrere NPOs pro Region aufnehmen und freuen uns deshalb über jede Bewerbung!


pit

 

 

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