16.11.2018

In Schulen fehlt gute Demokratie-Bildung

Grafik: Bertelsmann Stiftung

Demokrartiebildung kommt in deutschen Schulen noch immer zu kurz. Das ist in Zeiten, in denen Populisten an Boden gewinnen, fatal. Eine Befragung im auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass Demokratie im Unterricht nur eine untergeordnete Rolle spielt. Eine Ursache: Das Thema wird in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zu wenig behandelt.

1.200 Lehrkräfte befragten die Wissenschaftler für die aktuelle Studie. Fazit: Demokratie-Bildung nehme in Schulen "nur einen mittleren Stellenwert ein". Die Onlinebefragung machte das des Berliner Institut für Gesellschaftsforschung. Darin gaben knapp vier Prozent der Lehrkräfte an, dass Demokratiebildung einen "hohen Stellenwert in ihrem Schulalltag" habe. Für die meisten Lehrkräfte (96 Prozent) ist schulische Demokratiebildung jedoch "nur von mittlerer Bedeutung".

Fast Dreiviertel der Lehrkräfte allerdings geben bei der Befragung an, selbst einen demokratischen Umgang mit ihren Schülern zu pflegen und eine Orientierung an Werten wie Respekt, Fairness und Gleichbehandlung zu vermitteln. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht laut Studienergebnios anders aus: Die Möglichkeiten für Schüler, sich im Schulalltag demokratisch zu beteiligen seinen, so schreiben die Wissenschaftler, "noch ausbaufähig".

 

Demokratie in der Schule: Lehrerausbildung muss verändert werden

 

Unterrichtsformate, die Demokratiebildung stützen, werden damnach nur von 1,3 Prozent der Lehrkräfte umfassend eingesetzt - zum Beispiel die Teilnahme an Schülerparlamenten, Projektwochen mit Fragen zu Demokratie-Entwicklung oder etwa an einem Demokratietag ist in Schulen eine absolute Ausnahme.

Weniger als zehn Prozent der Lehrkräfte geben an, dass ihre Schüler mit solchen Formaten der Demokratiebildung in den letzten zwölf Monaten Erfahrungen machen konnten. Dazu komme, schreibt die Bertelsmann-Stiftung, "dass sich nur rund die Hälfte der Befragten von ihren Schülern in diesem Zeitraum ein systematisches Feedback eingeholt hat, in dem die Schüler auch Kritik am Unterricht üben durften".

 

 

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In der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften sind Inhalte der Demokratiebildung unterrepräsentiert. Nur 16 Prozent der Befragten haben sich im Studium damit intensiv auseinandergesetzt, im Referendariat sinkt der Wert auf 13 Prozent und in der Weiterbildung ist das Thema für 18 Prozent von hoher Relevanz.

Hier seien die Länder gefragt, um entsprechende Qualifizierungsangebote im Studium, Referendariat und der Lehrerweiterbildung auszubauen, so unser Vorstand Brigitte Mohn weiter. Aber auch zivilgesellschaftliche Akteure könnten durch Projekte und Programme einen Beitrag leisten. Deswegen ergänzt Mohn: "Die Bertelsmann Stiftung hat zum Beispiel mit Experten aus Wissenschaft und Praxis den digitalen MOOC-Kurs 'Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen' entwickelt und stellt ihn Studierenden kostenlos zur Verfügung."

Wie Schulen Demokratie leben und vermitteln können, sollte in der Qualifizierung von Lehrkräften einen höheren Stellenwert bekommen. So können sie die erforderlichen Kompetenzen erwerben, um Schüler zu befähigen, sich mit der Gesellschaft kritisch auseinanderzusetzen, reflektiert Urteile bilden zu können und das Gemeinwesen verantwortlich mitzugestalten.


red

 

 

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