UBA-Ausstellung: Landschaft künstlerisch erleben

Betty Beier in Island Foto: Beier/UBA

Landschaften verschwinden: Klimawandel, Urbanisierung oder der Hunger nach Rohstoffen verändern das Gesicht der Erde. Das Bild der Umgebung ändert sich, Landschaften verschwinden. Die Künstlerin Betty Beier hält dies fest. Die Bildhauerin setzt verschwindenden Landschaften ein Zeichen der Erinnerung: Ihre Werke sind von 14. November bis zum 18. Dezember im Umweltbundesamt (UBA) zu sehen.

Das Erdschollen-Archiv sind dauerhaft in Acryl oder Kunstharz festgehaltene Fundstücke aus vergehenden Landschaften. Beiers Bildskulpturen tragen exotische Namen: Kivalina, Kárahnjúkar oder Xiaolangdi. Sie entstanden nach Besuchen einer Talsperre am Gelben Fluss in China, einen Staudamm mitten im größten Naturschutzgebiet Islands oder einer Insel im Nordwesten Alaskas, die infolge von Erderwärmung zunehmend vom Wasser bedroht wird und im Braunkohle-Tagebau von Nordrhein-Westfalen, der dort ganze Dörfer verschlingt.

 

Landschaft und Kunst: Festhalten, was verschwindet

 

Zeichnungen, Fotografien und Filme liefern Informationen zum jeweiligen Fundort und geben Einblick in den künstlerischen Arbeitsprozess.

 

Seit 1996 dokumentiert Baier die Veränderungen.

 

Was treibt Sie?

Betty Beier : Landschaft ist heutzutage immer Kulturlandschaft und Spiegel menschlicher Entwicklungen. Natur, Wildnis existiert nur noch in Teilstücken. Was sind Landschaften, was unterscheidet sie von anderen und was wird mit und aus ihnen gemacht?. Mit meinen Kunstprojekten möchte ich diesem ständigen Wandlungsprozess nahe kommen und begleite deshalb Baustellen weltweit.

 

Wie wählen sie Ihre Objekte aus?

Die Auswahl der Bodenausschnitte erfolgt zunächst anhand der Medienberichterstattung. Mich interessieren in erster Linie Regionen, für die ein gravierender Wandel prognostiziert wird oder die bereits durch den Klimawandel gezeichnet sind. Das isländische Staudammprojekt Kárahnjúkar hatte eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien. An diesem Bauprojekt berührte mich vor allem, dass die betroffene Region bislang als weitgehend frei von menschlichen Einflüssen klassifiziert wurde. Solche Gebiete sind in Europa selten geworden.

 

Wie müssen wir uns Ihre arbeit vor Ort vorstellen?

Bei meinen Exkursionen bin ich allein mit meinen selbstgebauten Handwagen unterwegs, bestimme den Standort mithilfe von GPS und mache vor Ort unter nicht gerade leichten Bedingungen Gipsabdrücke. Dieser Arbeitsprozess wird von mir fotografisch festgehalten...

 

Was halten die Menschen dort zu Ihrem Auftreten?

Meine Arbeit steht immer im Diskurs und Auseinandersetzung mit Raum und Personen vor Ort. Mich als neutraler Beobachter der Materie zu fügen, sich auf der Baustelle entsprechend zu verhalten, setzt eine offene und nicht von Vorstellungen besetzte Erwartung und Haltung voraus. Also suche ich den Kontakt zu den Verantwortlichen der Bauleitung, wie auch zu den Betroffenen und Protestierenden.

Was erfahren sie bei diesen Gesprächen?

führen mich in die Landschaft und ihre Geschichte ein. Dies evoziert viele Fragen, und ich suche daher auch das Gespräch und die Auseinandersetzung mit Fachleuten sowie deren Rat. In Island etwa habe ich mir auf der Baustelle Kontakte erschlossen, um diese betreten und besichtigen zu können. Letztendlich kam es zu einer guten Zusammenarbeit, was mir ein langfristiges Arbeiten in Kárahnjúkar erst möglich machte.

 

Was an ihren Arbeiten ist Dokumentation und was ist Kunst?

Landschaft, Erde sind etwas Lebendiges und Bodenzustände also vielfältig. Trockenheit, Wind, Feuchtigkeit, Licht und Zeit oder mechanische Einflüsse verändern das Bodenstück minütlich. Ich nenne Ihnen zwei Beispiele: Ein schwerer Klei-Boden ist im feuchten Stadium ein Speichermedium für Spuren jeglicher Art – getrocknet verbleibt davon nichts. Sonneneinwirkungen sowie Feuchtigkeit lassen Erdpigmente anders und farbiger erscheinen, herausgerissen aus diesem Kontext offenbart sich ein anderes Erscheinungsbild. Dort hört die Arbeit eines Präparators auf – er konserviert. Mir hingegen geht es um die Begegnung mit der Erdoberfläche – gefolgt von einem mühseligen Erinnerungsprozess.

 

Wie schaffen Sie dies?

benutze ich verschiedene Hilfsmittel wie den Gipsabdruck, den ich weiterentwickelt habe und als dreidimensionale Bildmaschine bezeichne. Der Abdruck, so finde ich, kommt dem Netzfenster von Albrecht Dürer nahe. Als Erinnerungshilfe dienen Notizen, Farbproben, Zeichnungen und Fundstücke. Insbesondere Farbproben, da der Mensch kein Farbengedächtnis hat. Mein konzeptueller Ansatz besteht aus verschiedenen Prozessen: Die Erstellung der Erdscholle schließt einen malerischen Prozess ein, die Abnahme mit meinem Arbeitsmodul (roter Rahmen) ist ein skulpturaler. Die nun seit 2012 durchgeführten mobilen Aktionen mit einer Erdscholle in verschieden Städten sind ein interaktiver, performativer Prozess, um in Solidarität mit den Menschen zu stehen, die den Boden unter den Füßen verlieren oder denen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

 

 

Erdschollen-Archiv

Ausstellung im Umweltbundesamt

Wörlitzer Platz 1

06844 Dessau-Roßlau

 

Montag bis Freitag: 9 bis 19 Uhr

Samstag bis Sonntag: 9 bis 16 Uhr

 

Eintritt: frei

 

 

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