Agrarpolitik missachtet Leistungen der Ökosysteme

Foto: Wikimedia-Commons

Agrarpolitik setzt falsche Anreize: Sie ist vorwiegend an landwirtschaftlichen Erträgen ausgerichtet und achtet zu wenig auf ökologische Dienstleistungen. Dieses Fazit zieht eine neue Studie am Fachbereich Sozialökonomie der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Grischa Perino veröffentlichte die Ergebnisse jetzt in der Fachpublikation Science.

 

Für die Studie analysierte sein Team die Auswirkung der Landwirtschaft auf Ökosysteme und deren Dienstleistungen in Großbritannien. Die Wissenschaftler monieren, dass etwa Waldwirtschaft oft nur dort betrieben werde, „wo andere Anbauarten unrentabel sind“. Das seien jedoch häufig Regionen, die weit von großen Städten entfernt lägen.

 

Die Folge dieses Ansatzes: Wälder als Naherholungsgebiete fehlen dann in der Nähe von Ballungszentren. Ähnliches, so die Studie, gelte beispielsweise für Grünanlagen in Städten: „Sie bieten nicht nur Naherholung, sondern reduzieren auch Luftschadstoffe und Lärm.“

 

Ökosysteme könnten den Menschen viel mehr Nutzen bringen

 

Perinos Kritik an der gängigen Subventions- und Förderpraxis: „Obwohl davon viele Menschen profitieren, spielen diese Aspekte bei der Flächennutzungsentscheidung der Kommunen oft nur eine untergeordnete Rolle, da sie nicht unmittelbar wirtschaftliche Gewinne für die Grundeigentümer abwerfen.“

 

Klar ist: Nicht nur Nahrung und Rohstoffe zählen zu den Erträgen intakter Ökosysteme. Sie „regulieren auch das Klima, sorgen für Artenvielfalt oder bieten Raum für Tourismus und Naherholung“, fasst eine Pressemeldung über Perinos Arbeit die Palette zusammen.

 

Die Folgen der bisherigen Fehlplanungen und falschen Steuerung sind gravierend: „ Würden Ökosystem-Dienstleistungen bei der Landschaftsplanung berücksichtigt, könnten die gesellschaftlichen Erträge aus Ernten und Ökosystem-Dienstleistungen zusammengenommen, bedeutend erhöht werden.“

 

 

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