Antibiotika-resistente Keime in unseren Gewässern

Screenshot: NDR

Experten sind beunruhigt! Recherchen des NDR haben aufgedeckt, wie stark Bäche, Flüsse und Badeseen bereits mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet sind. Dazu wurden Wasser- und Sedimentproben exemplarisch an zwölf verschiedenen Orten in Niedersachsen genommen. Es war zwar bisher schon klar, dass solche Keime in der Umwelt zu finden sind, die Stärke der Belastung jedoch weitgehend unbekannt.

 

„Das ist wirklich alarmierend“, sagt der Antibiotika-Experte Dr. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut dem NDR. „Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das mich überrascht.“

 

An allen untersuchten Orten waren den Angaben zufolge sogenannte multiresistente Erreger nachweisbar. Bei den gefundenen Keimen handelt es sich um sogenannte multiresistente gram-negative Bakterien (MRGN). Sie bereiten Ärzten seit einigen Jahren größere Sorgen als die als "Krankenhauskeime" bekannten MRSA-Erreger. Solche Keimen können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen und sind besonders schwer zu behandeln. Besonders gefährdet sind vorerkrankte Menschen, aber auch Ältere und Neugeborene.

 

Die Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung am Universitätsklinikum Gießen sehen den Fund des sogenannten mcr-1-Gens an fünf Probeorten als besonders kritisch. Bakterien, die solch ein Gen in sich tragen, sind resistent gegen das wichtige Reserve-Antibiotikum Colistin. Das Notfallmedikament wird nur in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt, wenn alle anderen Antibiotika versagen. Da dieses Colistin in der Tiermedizin in größeren Mengen eingesetzt wird, halten sie es für wahrscheinlich, dass das Resistenzgen aus der Tierhaltung stammt und über Gülle auf Felder und in die Umwelt gelangt. Auch durch Abwässer von Krankenhäusern und Kliniken könnten sich die Erreger verbeiten, befürchtet die WHO.

 

Da die Klärwerke in Deutschland nicht dafür ausgerüstet sind, Bakterien komplett aus dem Abwasser herauszufiltern, sollten sie nach Auffassung des Umweltbundesamts mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgestattet werden. Die Techniken dafür seien vorhanden, sagt Maria Krautzberger, doch es fehle die gesetzliche Grundlage, um sie einzuführen. Nur wenn alle Beteiligten – Gesetzgeber, die pharmazeutische Industrie, Ärzte, Patienten, Tierhalter und Konsumenten – ihren Beitrag leisten, lässt sich das Problem dauerhaft lösen.

 

Mehr zum Thema auf ndr.de und in der Sendung „Panorama – die Reporter“ heute, 6. Februar, um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen.

 

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