10.02.2017

Arten sterben durch Unfälle auf Straßen

Foto: iDiv

Unterschätzt: Weitaus mehr Tierarten werden durch tödliche Unfälle auf Straßen dezimiert als bislang von Wissenschaftlern angenommen. Das förderte jetzt eine neue Studie zum Schutzstatus mehrerer Arten, die besonders von der Zerschneidung ihres Lebensraumes durch Straßen betroffen sind, zutage. Die Forscher aus Deutschland und Portugal fordrn daher, „die Erarbeitung lokaler Schutzmaßnahmen, für Umweltbewertungen durch Behörden oder um die langfristigen Auswirkungen des Straßenbaus in Szenarien der Weltbank zum globalen Biodiversitätswandel einfließen zu lassen.“

 

Ihre Studie bezeichnen die Wissenschaftler als „ersten globalen Überblick über die Auswirkungen von Straßen auf Raubtiere“. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt Global Ecology and Biogeography .

 

Bedrohung durch Straßenverkehr auf Artenschutz unterschätzt

 

Die Arbeit der wissenschaftler liefert neue Erkenntnisse für den Schutz so bekannter Arten wie den Puma (Puma concolor), den Amerikanischen Schwarzbären (Ursus americanus) oder den Braunbären (Ursus arctos). Diese „gehören zu jenen Arten, deren Überleben langfristig am stärksten vom Verkehr bedroht wird, für die diese Gefahr aber bisher nicht in voller Tragweite erkannt wurde“, schreiben die Forscher des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie des Portugal Infrastructures Biodiversity Chair/Research Center in Biodiversity and Genetic Resources (CIBIO-InBIO) in ihrer Pressemeldung. Unter jenen fünf Prozent an Raubtierarten (17 Arten), die weltweit am stärksten von Straßen beeinflusst werden, seien aktuell neun von der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) als „nicht gefährdet“ eingestuft. „Unsere Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, den Schutzstatus dieser 17 Arten zu aktualisieren, da deren Bedrohung durch Straßen bisher unterschätzt wurde“, betont Henrique Pereira vom iDiv .

 

Auswirkung des Straßenverkehrs auf 232 Raubtierarten untersucht

 

Wolf Foto: iDiv

Für ihre Studie erfassten die Wissenschaftler 232 Raubtierarten weltweit (von insgesamt ca. 270 existierenden Raubtierarten). Für diese bestimmten sie, wie stark sie von der Zerschneidung ihres Lebensraumes durch Straßen beeinflusst werden. Dafür berücksichtigten die Forscher zum Beispiel die natürliche Mortalitätsrate, die Anzahl der Nachkommen und das Wanderverhalten einer Art. Aus diesen Faktoren errechneten sie, welche Dichte an Straßen eine Art maximal ertragen kann. Außerdem ermittelten sie die minimale Fläche an unzerschnittenen Lebensraum, die eine Art braucht, um dauerhaft gesunde Populationen erhalten zu können. Diese Daten glichen sie mit dem weltweiten Straßennetz ab.

Besonders bedroht ist der Iberische Luchs (Lynx pardinus), der nur in Spanien und Portugal vorkommt und von dem es Schätzungen zufolge nur noch wenige Hundert Tiere gibt. Die Hochrechnung in der aktuellen Studie ergibt, dass die Art in 114 Jahren ausgestorben sein wird. Doch während der Iberische Luchs von der Weltnaturschutzunion als „stark gefährdet“ eingestuft wird, sind andere von Straßen betroffene Tierarten dies nicht. Zum Beispiel zwei Arten aus Japan: Der Japanische Dachs (Meles anakuma) und der Japanische Marder (Martes melampus) werden der Hochrechnung zufolge aufgrund der Bedrohung durch Straßen in neun bzw. 17 Jahren ausgestorben sein.

 

In Nordamerika und Asien sind die Straßen für Tiere am gefährlichsten

 

Jene fünf Prozent an Raubtierarten (17 Arten), die weltweit am stärksten von Straßen beeinflusst werden, gehören zu den Säugetierfamilien der Katzen, Bären, Marder, Hunde und Kleinbären. Bei den Bären sind vier Arten betroffen – die Hälfte aller existierenden Bärenarten. Überraschend für die Forscher war, dass auch der Steinmarder (Martes foina) unter die 17 am stärksten durch Straßen betroffenen Arten fällt. Diese Art ist zwar weit verbreitet und nicht als gefährdet eingestuft, wird aber oft durch Autos getötet. Eine andere Art in Deutschland, der Wolf (Canis lupus) gehört zu den obersten 25 Prozent der weltweit am stärksten von Straßen betroffenen Raubtieren (55 Arten). Er ist eines jener Tiere, die für ein langfristiges Überleben große Flächen benötigen, deren Lebensräume aber durch Straßen zerschnitten werden.

 

Toter Steinmarder Foto: iDiV

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Nordamerika und Asien die Regionen mit den meisten Raubtierarten sind, die durch den Straßenverkehr negativ beeinflusst werden, gefolgt von Südamerika und Europa“, erklärt Ana Ceia Hasse vom iDiv. „Doch während wir erwartet hatten, dass die fleischfressenden Säugetiere besonders in Regionen mit hoher Straßendichte leiden, waren wir überrascht zu sehen, dass es auch in Regionen mit geringer Straßendichte Raubtiere gibt, die durch Straßen bedroht sind.“ So haben Straßen in Afrika deutliche Auswirkungen auf das Verbreitungsgebiet des Leoparden (Pathera pardus). Empfindliche Arten, die natürlicherweise regelmäßig weitere Distanzen zurücklegen, können nämlich schon durch vergleichsweise wenige Straßenbehindert werden. „Wir haben nicht einfach Straßen und Verbreitungsgebiete der Raubtiere übereinander gelegt, sondern haben auch die spezifischen Eigenschaften und Ansprüche der Arten in unseren Berechnungen berücksichtigt. So konnte wir auch Arten ermitteln, die bereits auf wenige Straße sensibel reagieren“, so Ceia-Hasse.


red

 

 

Lesen Sie auch:

 

Biodiversität für viele noch immer ein Fremdwort

Milliardenverlust durch Artenarmut im Wald

Mehr Tote durch schlechte Luft als Verkehrsunfälle

Most Wanted

Screenshot: gunther-moll.de

Die Botschaft

Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...


Screenshot: ARD-Video

Alpendämmerung – Europa ohne Gletscher

Die Alpengletscher sind nicht mehr zu retten, wann der letzte Gletscher verschwunden ist, scheint...


Foto:"Unternehmens-Grün" Jörg Farys

Die Wirtschaft ruft zum Klimastreik auf

Jetzt wird auch die Wirtschaft aktiv und will endlich mehr Klimaschutz umsetzen. Aktuell haben sich...


Neu im global° blog

Screenshot: gunther-moll.de

Die Botschaft

Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...


Screenshot: ARD-Video

Alpendämmerung – Europa ohne Gletscher

Die Alpengletscher sind nicht mehr zu retten, wann der letzte Gletscher verschwunden ist, scheint...


Foto: DZ-4 GmbH

Der Solarboom kommt

Der richtige Solarboom kommt erst noch: Warum aktuelle Trends für eine Revolution im deutschen...


Folgen Sie uns: