Artenverlust zerstört Ökosysteme

Foto: Jena-Experiment

Naturveränderung: Was wir anrichten, erkennen wir erst viel später. "Dies bedeutet, dass die negativen Effekte des derzeitigen Artenverlustes erst in einigen Jahren vollständig augenscheinlich werden", warnt TUM-Forscher Wolfgang Weisser.

Gemeinsam mit Kollegen hat Weiser 80.000 Messungen von interdisziplinär aufgestellten Arbeitsgruppen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden an der Technischen Universität München (TUM) ausgewertet. Dieses so genannte "Jena-Experiment" kommt dabei zum Ergebnis: Biodiversität beeinflusst knapp die Hälfte der Prozesse im Ökosystem. Zudem erzielt intensive Grünlandbewirtschaftung keinen höheren Ertrag als eine hohe Artenvielfalt. Das berichtet jetzt die Agentur Pressetext über die Studien der TUM-Wissenschaftler.

 

Effekte des Artenschwunds verstärken sich mit der Zeit

 

Laut TUM-Forscher Wolfgang Weisser stirbt eine Art nach der Zerstörung ihres Lebensraumes durch den Menschen meist nicht sofort aus, sondern erst einige Zeit später. Eben dieses Aussterben habe, so zitiert ihn Presstext, nach dieser Logik folgend dann einen zeitverzögerten Effekt auf die Stoffkreisläufe. Die Effekte der Biodiversität wurden im Jena-Experiment entsprechend über die Zeit stärker: In artenreichen Gemeinschaften wurden die positiven Effekte wie etwa die Kohlenstoffspeicherung im Boden, die mikrobielle Atmung oder die Entwicklung der Bodenfauna erst mit der Zeit stärker. Andererseits wurden genauso die negativen Effekte von Monokulturen später sichtbar.

Auf mehr als 500 Versuchsparzellen hatten die Wissenschaftler unterschiedlich viele Pflanzenarten angesät, von Monokulturen bis zu Mischungen von 60 Arten. Neben Pflanzen wurden auch alle weiteren im Ökosystem vorkommenden Organismen untersucht - im und oberhalb des Bodens. Daneben sind von Bodenkundlern die Stoffkreisläufe von Kohlenstoff, Stickstoff und Nitrat und auch der Wasserkreislauf über den gesamten Zeitraum von 15 Jahren untersucht worden. So konnten die Wissenschaftler belegen, wie sich die Artenvielfalt auswirkt auf die Kapazität des Bodens, Wasser aufzunehmen, zu speichern oder abzugeben.

 

Viele Arten machen widerstandsfähig

 

Artenreichere Wiesen hatten über die gesamte Zeit des Jena-Experiments eine höhere Produktivität als artenarme Wiesen. Eine gesteigerte Bewirtschaftungsintensität durch zusätzliche Düngung und eine häufigere Mahd erreichte denselben Effekt: Wenn ein Landwirt bestimmte Arten fördert und düngt, ist er im Durchschnitt betrachtet folglich nicht erfolgreicher als die Natur. Die Energie der Biomasse (Bioenergiegehalt) von artenreichen Wiesen war deutlich höher als die von artenarmen Wiesen, zugleich aber ähnlich hoch wie viele der heute stark subventionierten Arten wie etwa von Chinaschilf.

Laut den Experten hatten artenreiche Flächen zudem eine bessere Kohlenstoffspeicherung. Die Zahl von Insekten und anderen Arten war deutlich höher. Wechselwirkungen zwischen Arten wie etwa Bestäubungen fanden häufiger statt. Artenreichere Wiesen transportierten Oberflächenwasser besser in den Boden. Artenreiche Ökosysteme waren stabiler gegenüber Störungen wie Dürren oder Überschwemmungen als artenarme Ökosysteme.


red

 

 

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