BfN und DUH fordern: mehr Natur zum Anfassen

Kind auf Schaukeltier, Foto: wikimedia commons/ Werner100359

Asphaltwüsten und Betonlandschaften: In deutschen Städten mangelt es an grünen Spielplätzen. Um diesem Mangel Abhilfe zu schaffen, stellen heute das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zwei neue Projekte vor. Beim BfN-Projekt „Kinder-Garten im Kindergarten“ soll ein bundesweites Netzwerk an Botschaftern für biologische Vielfalt entstehen. Die Vorstellungen und Wünsche von Kindern fließen beim DUH-Projekt „Umweltgerechtigkeit durch Partizipation“ in die Gestaltung städtischer Grünanlagen mit ein.

 

Laut DUH warnen Experten bereits vor einer „Naturdefizitstörung“ bei Kindern und Jugendlichen, die sich in Form von Aufmerksamkeitsstörungen, motorischen Defiziten und emotionaler Instabilität zeige. Umso wichtiger scheint es zu sein, Kinder früh an die Natur heran zu führen. Vor allem in Städten müssen mehr grüne Spielanlagen geschaffen werden, damit die Kleinen auch Lust auf Naturerlebnisse bekommen.

 

Die Alternative: pures Naturerlebnis im Waldkindergarten, Foto: wikimedia commons/ Gregor Sticker

„Kinder-Garten im Kindergarten“

 

„Ob Buddeln, säen oder ernten, das Gärtnern macht den meisten Kindern Spaß. Und wenn die Kleinen schon im Kindergarten die Vielfalt der Natur erleben können, legt das den Grundstein dafür, dauerhaft respektvoll mit der Natur umzugehen“, erklärt Ursula Heinen-Esser, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.

 

Aus diesem Grund unterstützt das Bundesumweltministerium für dieses Projekt über eine Million Euro aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt zur Verfügung. Gefördert werden Maßnahmen vom großangelegten Gemüsegarten bis zum kleinen Hochbett im Hinterhof. Ziel ist es, mit einfachen Maßnahmen mehr biologische Vielfalt in den Kindergartenalltag zu bringen, schreibt das BfN in seiner Pressemitteilung.

 

BfN-Präsidentin Beate Jessel ergänzt: „Das Projekt „Kinder-Garten im Kindergarten“ macht die biologische Vielfalt erlebbar, denn Platz für sie gibt es auch auf kleinem Raum, beispielsweise in Form von Wildblumen- bzw. Kräuterbeeten und Nisthilfen. Die „Kinder-Gärten“ bieten somit ideale, sehr praxisbezogene Möglichkeiten, um Vielfalt zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen.“

 

Eine grüne Oase zum Toben und Spielen, Foto: wikimedia commons/ Huhu Uet

„Umweltgerechtigkeit durch Partizipation“

 

Spielen in freier Natur fördert die motorische und emotionale Entwicklung von Kindern. Ein Mangel an Grünanlagen und Spielplätzen in Städten kann deshalb gravierende Folgen für die Entwicklung unseres Nachwuchses haben, warnt die DUH und fordert mehr Grün in der Stadt.

 

Robert Spreter, Leiter des Kommunalbereiches der DUH, äußert sich besorgt: „Leider gehört es zur deutschen Lebensrealität des Jahres 2013, dass der soziale Status die Lebensqualität bestimmt: Grün wohnt, wer es sich leisten kann. Sozial benachteiligte Menschen, insbesondere auch solche mit Migrationshintergrund, wohnen deshalb oft in in Vierteln ohne Naturräume, meist noch dazu in der Nähe stark befahrener und lauter Straßen.“

 

In ihrer Pressemitteilung schreibt die DUH deshalb: „In der aktuellen Debatte um soziale Gerechtigkeit gilt es daher auch, den herausragenden Wert von Stadtnatur für die Lebensqualität von Kindern und Erwachsenen zu erkennen. Attraktives, naturnahes und alle Sinne ansprechendes Stadtgrün gehört in alle Stadtteile gleichermaßen. Die Menschen müssen dabei ihr Stadtviertel und damit auch ihre Stadtnatur mitgestalten dürfen. Gerade Kinder wollen die Entwicklungsprozesse in ihrem Wohnumfeld mitbestimmen.“

 

„Internationaler Mädchengarten“ auf Schalke

 

Im Projekt „Umweltgerechtigkeit durch Partizipation“ fördert die DUH fünf Modellprojekte. Der „Internationale Mädchengarten“ im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke ist eines davon. Hier haben Mädchen und junge Frauen die Möglichkeit, einen Garten nach ihren Ideen zu gestalten und sich aktiv mit der Natur auseinander zu setzen.

 

Spreter ist von diesem Ansatz überzeugt: „Der Mädchengarten ist ein naturbasierter Aktionsraum, den Kinder nach ihren eigenen Vorstellungen immer weiterentwickeln. Mit Beteiligung und Begeisterung formen die Mädchen ihr persönliches Wohnumfeld mit. Das ist ein zukunftsweisender Ansatz der heranwachsenden Generation.“ JET

 

 

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