Bundesregierung verhindert Bienenschutz

Foto: wikimedia commons/Richardfabi

Bei der Abstimmung um das Verbot dreier bienengefährdender Pestizide auf EU-Ebene enthielt sich Deutschland. „Wieder einmal hat sich die Regierung Merkel trotz anders lautender Lippenbekenntnisse auf die Seite der Agroindustrie geschlagen, statt die Interessen von Imkerei, Umwelt und der auf Bestäubung angewiesenen Landwirtschaft zu vertreten", empört sich Harald Ebner, Sprecher der Grünen für Agro-Gentechnik. Die EU-Kommission hatte ein Teilverbot von drei Neonicotinoiden - Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam – vorgeschlagen, welche laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine ernst zu nehmende Gefahr für Bienenvölker darstellen können.

 

Und nicht nur die Bienen sind betroffen, auch andere Insekten können selbst bei gering dosierter Anwendung auf lange Sicht geschädigt werden. Auch unsere Vogelwelt leidet indirekt darunter. Denn sterben die Insekten, fällt für viele Vogelarten die Nahrungsgrundlage weg. Studien von BUND und NABU belegen, dass besonders die Bestände von Feld- und Wiesenvögeln zurückgegangen sind.

 

13 EU-Länder stimmten für das Verbot der Nervengifte – etwa Frankreich, Italien, Spanien und Polen; neun Länder sprachen sich gegen das Verbot aus; und fünf Länder enthielten sich, darunter Deutschland und Großbritannien. Deutschland hat aufgrund seines großen Stimmanteils eine wichtige Rolle in der Abstimmung, umso verständlicher, dass nun vor allem von Seiten der Imker heftige Kritik kommt.

 

Verdrehte Tatsachen und Halbwahrheiten

 

Insbesondere, weil das Bundeslandwirtschaftsministerium schon im Vorfeld irreführende Halbwahrheiten verbreitete. So wirkte es in einer Pressemitteilung Aigners so, als stelle der Vorschlag der EU-Kommission gar eine Verschlechterung des Bienenschutzes gegenüber dem Status Quo dar. Aigners Ministerium setzte dabei Schwerpunkt auf die Einschränkungen des Verbotes – Wintergetreide und Saatgut sind nämlich von dem Verbot ausgeschlossen, ignorierten dabei aber völlig, dass ein Verbot fast alle bienenattraktiven Kulturen betroffen hätte und es somit zu einer enormen Verbesserung der momentanen Lage in Deutschland geführt hätte. Darauf folgte lauter Protest und eine Richtigstellung der Imkerverbände.

 

Pestizide und Bienensterben

 

Auch, wenn die Ursachen für das weltweite Bienensterben noch lange nicht vollständig aufgedeckt sind, so ist doch klar, dass Pestizide dabei eine zentrale Rolle spielen. So starben 2008 in der Region Oberrhein in Baden-Württemberg zehntausende Bienenvölker. Ursache war das Insektizid Clothianidin der Firma Bayer CropScience. Einer der drei Stoffe, über den die EU-Länder nun verhandelten. Klar, dass die Industrie solche Fälle gerne unter den Tisch kehrt.

 

Wie geht es jetzt weiter?

 

Die EU-Länder werden ein weiteres Mal über das Verbot abstimmen. Zu hoffen bleibt, dass Deutschland diesmal im Sinne der Umwelt und nicht der Chemieindustrie entscheidet, denn mit dem Schutz der Biene sichern wir auch unsere Ernährung, unser eigenes Überleben „Die Biene ist mehr als ein Honigproduzent. Allein in Deutschland liegt der Bestäubungswert der Bienen bei geschätzten 2,5 Mrd. Euro im Jahr. Rund ein Drittel unserer Lebensmittel hängen von der Bestäubung ab. Für eine nachhaltige Landwirtschaft und einen starken Verbraucherschutz braucht Deutschland eine Landwirtschaftsministerin, die sich dafür in Europa mutig einsetzt“, so die Greenpeace-Pestizidexpertin Christiane Huxdorff.

 

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