Damit uns das Baden nicht krank macht

Bettina Hoffmann, MdB Foto. Privat

Multiresitente Keime bedrohen die Gesundheit: Forscher fanden jetzt in Gewässern in Niedersachsen multiresistente Bakterien. ,Die Grünen im Bundestag schlagen Alarm. Die Übertragung auf Badende sei nicht auszuschließen, betont die BUndestagsabgeordnete Bettina Hoffmann.

Im Gespräch mit global° erklärt sie ihre Befürchtung und was sie dagegen machen will.

 

Bislang galt, deutsche Gewässer sind eigentlich sauber: Wie konkret ist die Gefahr, dass ich im Sommer beim Baden in einem Fluss oder See in Deutschland wirklich erkranke?

Bettina Hoffmann: Als gesunder Erwachsener müssen Sie sich nicht allzu sehr fürchten. Dennoch darf man die Funde dieser Keime nicht verharmlosen. Insbesondere für Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder offenen Wunden ist die Gefahr einer Infektion gegeben. Im vergangenen Sommer gab es in Frankfurt am Main einen Fall, bei dem ein Mann starb, der sich in einem Bach mit Keimen infiziert hat, gegen die im Krankenhaus kein Antibiotikum mehr wirkte...

 

Diese multiresitenten Keime sind also das eigentliche Problem?

Sie sind die eigentliche Gefahr: Je mehr multiresistente Keime in Gewässern oder anderswo zu finden sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen daran erkranken und im schlimmsten Fall sterben. Weltweit sterben derzeit über 700.000 Menschen an Infektionen mit Keimen gegen die heutige Antibiotika nicht mehr helfen.

 

Sie und die GRÜNEN wollen den Antibiotikaeinsatz in den Ställen einschränken: Bringt dies nicht aber die Tiergesundheit und damit auch unsere Lebensmittel in Gefahr? Welche konkreten Gegenmaßnahmen sollten ergriffen werden?

In einer Landwirtschaft läuft grundsätzlich viel schief, wenn Antibiotika quasi zum Standardprogramm gehören, um die Gesundheit der Tiere zu erhalten. Wie auch beim Menschen muss der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung die absolute Ausnahme darstellen.

 

Das heißt?

Dies können die Bäuerinnen und Bauern erreichen, indem sie auf eine tiergerechte Haltung setzen: Mehr Platz, Auslauf, Freiland, Licht und Beschäftigung für die Tiere anstatt Medikamentencocktails. Studien belegen, dass zum Beispiel bei der Haltung kleinerer Gruppen von Tieren weniger Medikamente nötig sind.

 

Gibt es nicht doch Medikamente, die im Stall (und damit letztlich den Tieren) helfen, ohne Resistenzen und damit das Problem zu fördern?

Kranken Tieren soll natürlich geholfen werden. Die beste Alternative zum häufigen Einsatz von Antibiotika im Stall bleibt allerdings, die Hühner und Schweine durch eine artgerechte Haltung gesund zu halten.

 

Das klingt eigentlich ziemlich einfach: Was muss noch geschehen?

Andere Medikamente gibt es bisher wenige, hier brauchen wir mehr Forschung. Falls doch Antibiotika eingesetzt werden müssen, dann auf keinen Fall so genannte Reserveantibiotika wie Colistin, mit denen Menschen nur dann behandelt werden, wenn alle anderen Mittel nicht mehr wirken. Und bevor etwa ein ganzer Bestand an Geflügel in einem Stall mit Breitband-Antibiotika behandelt wird, muss künftig besser genau geschaut werden mit welchem Medikament der Krankheitserreger gezielt bekämpft werden kann. Dafür gibt es bereits gute Untersuchungsmethoden.


pit

 

 

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