16.12.2017

Buchtipp: Der Gesang der Bäume

Eine 1000 Jahre alte Eibe in einem französichen Naturschutzgebiet Foto: Hajo Nolden

"Hören Sie zu, wie David Haskell das Stethoskop an das Herz der Natur legt und entdecken Sie die Poesie und die Musik, die in ihr klingt," schreibt Peter Wohlleben über dieses Buch.

 

David G. Haskell hat ein Dutzend Bäume in verschiedenen Weltgegenden und ihre Verbindungen mit Pilzen, Bakterien, Tieren und anderen Pflanzen erforscht. Ein Kapokbaum im Amazonasgebiet macht das reiche Ökosystem in einem tropischen Urwald, aber auch die Gefahren, die von nahe gelegenen Ölfeldern ausgehen, sichtbar. Tausende von Kilometern davon entfernt, in Kanada, überleben die Wurzeln einer Balsamtanne in kargem Boden nur in Partnerschaft mit Pilzen. An fossiler Holzkohle, die von Eiszeitmenschen hinterlassen wurde, und versteinerten Redwoods in den Rocky Mountains zeigt Haskell, wie sich das Klima durch das Netzwerk der Bäume, der Bodenorganismen und der Atmosphäre entwickelt hat.

 

Haskell erforscht aber auch Bäume in von Menschen dominierten Räumen – einen Pfirsichbaum in Manhattan, einen Olivenbaum in Jerusalem, eine Mädchenkiefer in Washington – und macht klar, dass kein Geschöpf ohne die wilden biologischen Verflechtungen leben kann. Diese vernetzte Sicht auf das Leben bereichert unser Verständnis von Biologie, menschlicher Natur und Ethik. Wenn wir Bäumen, den großen Netzwerkern der Natur, zuhören, lernen wir, wie wir Beziehungen leben können, die dem Leben Substanz und Schönheit verleihen.

 

In seinem Vorwort schreibt Haskell:

"Wenn Leben Netzwerk heißt, kann es auch keine vom Menschen gesonderte Natur oder Umwelt geben. Dann sind wir Teil einer Lebensgemeinschaft, die aus der Beziehung zu anderen besteht. Die Dualität Mensch-Natur, die von den Philosophen gehegt und gepflegt wird, ist aus biologischer Sicht eine Illusion. Wir sind keine Durchreisenden auf dieser Erde, wie manches Volkslied sagt. Aber auch keine entfremdeten Geschöpfe, aus der Natur in den "trüben Teich" der Kunst gefallen, wo wir "die Wesensart der Dinge zerstören" wie William Wordworth schreibt. [...] Wir können uns dem Gesang des Lebens nicht entziehen. Seine Melodie hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Der Gesang ist unsere Natur."

Noch zwei Pressestimmen

"David Haskell belässt es nicht bei biologischen Erklärungen. Er nutzt die Bäume, um über den Klimawandel zu sprechen oder über Umweltverschmutzungen wie den Plastikmüll in den Meeren. Die Versteinerungen von Mammutbäumen nimmt er als Anlass, über Geologie und Fossilien zu reden. Von der städtischen Pappel schlägt Haskell einen Bogen zum Rassismus der ersten weißen Naturschützer und zum Machismo der Naturschutzbewegung. (...) So wird sein Buch zu einer umfassender Geschichte des Verhältnisses des Menschen zur Natur, der gegenseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen, des Netzwerkes Natur, zu dem wir auch gehören."

Johannes Kaiser, Deutschlandfunk Kultur

 

"Haskell berichtet von Bäumen als Zentren von Lebens- und Überlebensgemeinschaften. Von den gegenseitigen Abhängigkeiten diversester Lebewesen. Zu diesen Beziehungsnetzwerken rund um Bäume gehören Mikroben wie Meisen wie Menschen. (...) Dies ist ein lehr- und erkenntnisreiches wie ein immer wieder auch überraschend poetisches Buch."

Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau

 

David G. Haskell

David G. Haskell lehrt als Professor für Biologie an der University of the South und lebt in Sewanee, Tennessee. Neben wissenschaftlichen Arbeiten hat er Essays und Gedichte veröffentlicht. Für Das verborgene Leben des Waldes erhielt er 2013 den Best Book Award der National Academies und war Finalist beim Pulitzerpreis.


red

 

Verlag Ante Kunstmann

DAVID G. HASKELL

DER GESANG DER BÄUME

Die verborgenen Netzwerke der Natur

Verlag Antje Kunstmann

320 Seiten

ISBN: 978-3-95614-204-8

24 Euro

 

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