BfN fordert Umsetzung ökologischer Vorrangflächen

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Auswirkungen der EU-Agrarreform auf die biologische Vielfalt in Deutschland: Themenheft von „Natur und Landschaft“ enthält kritische Betrachtung von GAP-Reform und Greening.

Die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift „Natur und Landschaft“ stellt sich der Frage „GAP-Reform und Greening – mehr Schein als Sein?“. In sechs Fachbeiträgen beleuchten die Autoren die Reform der europäischen Agrarpolitik. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, wie wirksam die beschlossenen Instrumente für den Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland sein können.

Dem Schutz der biologischen Vielfalt auf Agrarflächen kommt eine besondere Bedeutung zu. „Dramatische Bestandsrückgänge charakteristischer Feldvögel und zahlreicher anderer Arten-gruppen zeigen uns, dass der Verlust an biologischer Vielfalt in unseren Agrarlandschaften ungebrochen weiter anhält“, sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Natur-schutz (BfN). Die Agrarförderung durch die Europäische Union hat einen wesentlichen Einfluss auf die künftige Entwicklung dieser Flächen, die über die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands ausmachen. Positive Auswirkungen erwartet das BfN von einer Schwerpunktsetzung zugunsten von Agrarumweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz. „Hier sind die Länder gefordert, ihre Programme entsprechend ambitioniert umzusetzen“, erklärte die BfN-Präsidentin.

„Die von der EU-Kommission beabsichtigte ,grünere GAP‘ und auch die auf europäischer Ebene gesetzten Ziele zum Erhalt der biologischen Vielfalt sind nur zu erreichen, wenn die nationale Umsetzung in den EU-Mitgliedstaaten nun auch ökologisch Wirkung zeigt“, so Jessel weiter. Die entsprechenden Instrumente des Greening sind in Kraft, die Mitgliedstaaten haben viele Spielräume diese für die Natur gewinnbringend umzusetzen. Doch wie ambitioniert ist die Umsetzung ab 2015 gestartet? Dieser Frage gehen die Autoren auf unterschiedliche Weise nach.

In einem Beitrag erörtern sie den Prozess der GAP-Reform aus politischer Sicht und spannen dabei den Bogen vom ersten Greening-Vorschlag der EU-Kommission bis hin zur nationalen Umsetzung. Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der biologischen Vielfalt auf Äckern, Wiesen und Weiden in Deutschland. Um diese verlässlich beurteilen zu können, sind entsprechende Daten erforderlich. In diesem Zusammenhang kommen die Autoren zu dem Schluss, dass dringender Handlungsbedarf besteht, Statistiken, Datensammlungen und Monitoringaktivitäten national zusammenzuführen.

Besonderes Augenmerk wird auf die Möglichkeiten der Greening-Komponente „Ökologische Vorrangflächen“ gelegt. Hier gibt es durch Auswahl geeigneter Kategorien Potential für Landwirt-schaftsbetriebe, das für den Erhalt der Biodiversität genutzt werden kann. Die ökonomischen Entscheidungsgründe der Landwirte rücken in weiteren Beiträgen in den Mittelpunkt. Konkreter wird es anschließend bei den Auswirkungen der GAP-Reform auf die Förderung von Agrarum-weltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz am Beispiel Baden-Württembergs.

In der extensiven Grünlandbeweidung sieht ein Autorenteam einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Es schätzt jedoch die Entwicklungschancen durch die GAP-Reform als kritisch ein. Im Laufe der Förderperiode bis 2020 können die Regelungen im Rahmen der GAP aus Umwelt- und Naturschutzsicht optimiert werden. Fest steht: Die Diskussion über die Reform nach der Reform hat bereits begonnen. Wichtige Beiträge und verschiedene Impulse dazu soll das vorliegende Heft liefern.

 

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08.06.2015 12:02
Bundesamt für Naturschutz