400 Flussperlmuscheln in Niederbayern ausgesetzt

Flussperlmuscheln Foto: Wikipedia CC 3.0/Joel Berglund

400 Flussperlmuscheln aus dem Projekt „ArKonaVera“ wurden jetzt in die Kleine Ohe, einen Nebenfluss der Donau, gesetzt – im Beisein von Prof. Beate Jessel, der Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und des bayerischen Umweltministers Dr. Marcel Huber.

„ArKonaVera“ hat zum Ziel, die Bestände der Flussperlmuschel und der Malermuschel in Bayern und Sachsen zu stabilisieren. Beide Arten sind auf saubere Fließgewässer angewiesen und tragen selbst zum Gewässerschutz bei.

Die beiden ehemals häufigen Muschelarten Malermuschel und Flussperlmuschel sind heute stark gefährdet, die Flussperlmuschel ist sogar vom Aussterben bedroht. Um diesen Trend aufzuhalten, startete im Mai 2015 das Verbundprojekt „ArKoNaVera - Artenschutzkonzept für die nationalen Verantwortungsarten Flussperlmuschel und Malermuschel“.

Gemeinsam wollen die Projektpartner aus Forschung und Praxis die Bestände der beiden Muschelarten in Niederbayern und im sächsischen Vogtland stabilisieren und ihre selbstständige Fortpflanzung erhalten.

„Weil in Deutschland ein Großteil der mitteleuropäischen Vorkommen der beiden Muschelarten lebt, haben wir eine besonders hohe Verantwortung, diese Arten zu schützen. 90 Prozent der Flussperlmuschel-Bestände in Deutschland kommen hier in Bayern kommen vor. Des-halb ist die Besatzaktion von ArKonaVera von großer Bedeutung“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Die Art hat in Bayern derzeit keine selbsterhaltenden Bestände mehr. Bei den stark überalterten Flussperlmuschelbeständen spielt die Nachzucht somit eine Schlüsselrolle.“

Nach drei Jahren Projektlaufzeit wurde heute im niederbayerischen Projektgebiet, bestehend aus den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau, Regen und der Stadt Passau, ein erster Meilenstein erreicht. Bis die ersten 400 Jungmuscheln aus der Flussperlmuschelnachzucht bei der Besatzaktion am 5. Juli 2018 in die Freiheit entlassen werden konnten, war eine mehrjährige Betreuung der sensiblen Jungmuscheln notwendig. Entsprechend stolz sind die Beteiligten auf das bisher Erreichte, wie der Passauer Landrat Franz Meyer, stellvertretend für die Trägergemeinschaft zur Rettung der Flussperlmuschel in Niederbayern, betonte.

Die Nachzucht untergliedert sich in mehrere eigenständige Phasen: Sie beginnt mit der Gewinnung der 50-70 µm kleinen Larven, die sich daraufhin rund 10 Monate in den Kiemen von Bachforellen weiterentwickeln. Anschließend werden die 0,3-0,4 mm kleinen Jungmuscheln geerntet und mindestens 3 weitere Jahre aufgezogen. Während dieser Zeit benötigen die Tiere eine ideale Wasserqualität und Nahrungsversorgung.

Ziel ist, die Bestände in den Projektgewässern bis zum Ende der Projektlaufzeit im Jahr 2021 mindestens zu verdoppeln und so kurz- bis mittelfristig zu stabilisieren. Gemeinsam mit den flankierenden Gewässeroptimierungsmaßnahmen werden dadurch die Grundlagen geschaf-fen, dass die Flussperlmuschel langfristig erhalten bleibt und sich eines Tages wieder selbstständig reproduzieren kann. Das Forschungs- und Umsetzungsvorhaben wird vom Bundesforschungsministerium und dem Bundesumweltministerium mit insgesamt 5,24 Millionen Euro gefördert. Die Umsetzungsprojekte werden vom BfN im Bundesprogramm Biologische Vielfalt fachlich begleitet.

Weitere Informationen über „ArKonaVera“ unter: www.flussmuscheln.de

 


05.07.2018 09:47
Bundesamt für Naturschutz

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