Die Toilette der Schliefer – eine Klimadatenbank

Foto: wikipedia

Das stille Örtchen der Schliefer in Südafrika liefert Forschern wichtige Daten zum Klimawandel. Anhand des Urins dieser murmeltierähnlichen Säugetiere können Wissenschaftler Klimaveränderungen der letzten 55.000 Jahren messen.

 

Die kleinen Tiere, deren Anblick eher an Kaninchen oder Murmeltiere erinnert, haben menschenähnliche Angewohnheiten. Ihre „Geschäfte“ verrichten sie gerne an ein und demselben Platz - sozusagen auf ihrer Toilette. Wo das stille Örtchen der Schliefer liegt, bestimmten schon Generationen vor ihnen. Da die Schliefer eine sehr alte Gattung sind, kommt es, dass manche Schliefer-Familien über Jahrtausende einen festen Ort für ihr WC haben.

 

Nun fanden Wissenschaftler heraus, dass die Ablagerungen des Urins der Schliefer wichtige Daten über den Klimawandel enthalten. „ Der Schliefer-Urin - der sehr dickflüssig ist und schnell trocknet - enthält Pollen, Teile von Blättern und Gräsern sowie Gasbläschen, die uns ein klares Bild der Klimabedingungen liefern“, sagt Brian Chase, der Projektleiter der Montpellier Universität in Frankreich.

 

Der Elefant und die Seekuh: die nächsten Verwandten des Schliefers

 

In Südafrika konnte eine Schliefer-Toilette ausfindig gemacht werden, die seit über 55.000 Jahren in Benutzung ist. Eine wahre Fundgrube für die Forscher. Die Urin-Rückstände aus diesem alten Lokus ergaben, dass das regionale Klima sehr von Veränderungen in weit abgelegenen Gebieten, wie der Arktis oder Antarktis betroffen war. „ Wie wussten, dass Klimaeinschnitte, wie die letzte Eiszeit erhebliche Folgen für das nördliche Europa hatte. Aber bis jetzt wussten wir nicht, wie sie sich auf andere Gebiete des Planeten auswirkten. Dank des Schliefer-Urins aus dieser Zeit haben wir nun eine Antwort. Damals war es auch in Südafrika deutlich kälter und vermutlich deshalb auch auf dem Rest der Welt“, meint Chase.

 

Das hätten wohl noch nicht mal die kleinen Schliefer gedacht, dass sie mit ihrem hygienischen Familientraditionen der Klimaforschung hilfreich sein könnten. Übrigens, die süßen Pflanzenfresser leben in Afrika und im Südwesten Asiens. Ihre nächsten Verwandten – man mag es kaum glauben – sind der Elefant und die Seekuh.

 

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