Ein Haus für Menschen Vögel und Insekten

Artenschutz am Haus mit Teich Foto: Samuel Fleiner

Vorbildlich: Ein Haus in Heidelberg-Wiesenbach erhielt jetzt die Anerkennung als offizielles Projekt der UN-Dekade für Biodiversität. „Es ist nach meinem Kenntnisstand weltweit das erste Mal“, freut sich die Besitzerin Angela Wagner. Ihr Mann Samuel J. Fleiner plante das Haus, in dem beide eine Galerie betreiben und Seminare halten. Das Haus trage „über den konkreten Beitrag in Ihrem Projekt hinaus zudem dazu bei, mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu motivieren“, begründete die Jury die Auszeichnung.

Ein Künstleratelier, eine Galerie, eine Wohnung, Büro und eine Seminarküche beherbergt das 340 Quadratmeter-Haus. Es steht auf 780 Quadratmeter Grund. Architekt Fleiner plante drei Jahre. Fünf bis sechs Besucher empfängt das Ehepaar am Tag in ihrem Naturreich mit Feuchtbiotop, einem Gründach, einem Trockenrasen, begrünten Wänden oder Stützwänden aus Naturstein. Die Blumenwiese mit alten Obstbaumsorten sowie Nistkästen für Fledermäuse und Insekten lassen Pflanzen und Tieren viel Raum und Entfaltungsmöglichkeiten.

 

 

 

Samuel Fleiner beim TV-Interview Foto: SWR

„Wenn es in den Medien um das Thema Artenschutz und Biodiversität geht“, sagt Angela Wagner, „dann sind es meistens schlechte Nachrichten: Artensterben, Waldsterben, Bodenversiegelung, Erosion, Wüstenbildung, das Abschlachten der Wale sind die Stichworte.“ Sie wollten zeigen, es geht anders: „Die Philosophie bei unserem Neubau war, dass wir das, was wir an Vegetationsraum der Natur wegnehmen, ökologisch über kompensieren möchten.“

 

global° sprach mit Ihr über ihr Taumhaus und wie es entstand:

 

Wer hatte die Idee, Artenschutz und Hausbau zu verbinden?

Die Idee hatte mein Mann, Samuel J. Fleiner.

 

Wie entstand sie?

Er hat in Kassel Landschaftsplanung, Städtebau und Kunst studiert. Für ihn wichtige und prägende Professoren waren etwa Margrit Kennedy, Hubert Weiger, Gernot Minke und Wolfram Kunick. Die Idee, dass man anders bauen muss, entstand bereits vor 25 Jahren.

 

Lebt es sich in einem solchen Haus anders und warum?

Es lebt sich tatsächlich anders in diesem Haus: Viel Licht und Wärme, das bewegte Spiel des Lichts an Decken und Wänden, das vom Teich reflektiert wird, Libellen auf dem Wasser, die schillern wie Edelsteine, die Flugshow der Schwalben und Mauersegler, die mehrmals am Tag stattfindet, wenn die Vögel im Flug trinken. Das alles hat für mich viel Lebensqualität.

Damit die passive Heizung funktioniert, ist es lediglich notwendig im Winter am Morgen die inneren Glastüren zu öffnen und sie Abends wieder zu schließen.

 

Technisch Machbares und Psychologie trieben Bauherren an

Wanne in wohnlichem Ambiente Foto: S. Fleiner

Ging es Ihnen dabei eher um technische Finessen wie die Dachbegrünung oder Brauchwasser Nutzung oder auch um Psychologie?

Natürlich geht es auch um die Psychologie. In so einem Haus kann man wunderbar arbeiten und sich gleichzeitig wohlfühlen. Veränderungsprozesse werden durch angenehme Rahmenbedingungen begünstigt.

Die technischen Finessen senken auch die Betriebskosten des Hauses, machen also auch ökonomisch Sinn. Gründächer halten viel länger als konventionelle Dächer, weil sie sich ständig selbst verjüngen. In Berlin gibt es Gründächer, die schon über 130 Jahre alt sind.

 

Warum und wie kann Ihr Haus Vorbildfunktion haben?

Wir können nicht so weiter bauen wie bisher. Die Versiegelung macht massive Probleme - Staub, Wärmehaushalt der Städte, Gewitterneigung im Sommer - und verursacht große Folgekosten im Bereich Abwasser und Kanalisation. Einer der größten CO2-Produzenten ist die private Gebäudeheizung. „Häuser mit grünem Pelz“ und eine Gestaltung der Grundstücke, die das Wasser dort versickern lässt, wo es anfällt, haben deshalb Modellcharakter.

 

Warum ist das so wichtig?

Durch intensive Landwirtschaft verschwinden immer mehr Lebensräume. Es gibt kaum noch Hecken und Feldholzinseln, die Begleitvegetation wird chemisch weg gespritzt. Insektizide töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge...

Deshalb ist es wichtig, wenigstens die Gärten so zu gestalten, dass sie ein Maximum an Lebensräumen bieten. Dazu gehören Nistmöglichkeiten für bedrohte Tiere aber auch Futterpflanzen für Insekten.


pit

 

 

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