Europäische Flüsse stark mit Schadstoffen belastet

Steinkohlekraftwerk am Rhein Foto: wikimedia CC BY-SA 3.0/Harald Lordick

Eine Studie zeigt das Ausmaß der Schadstoffbelastung europäischer Flüsse. Die Arbeit eines Forscherteams, das auch an der Universität Koblenz-Landau arbeitet, führt auf europäischer Ebene Daten zur Gewässerqualität zusammen und offenbart Erschreckendes: An 14 Prozent der untersuchten Standorte gehen von organischen Chemikalien akute tödliche Gefahren für Fische, Wirbellose und Algen aus. Langfristige, chronische Beeinträchtigungen stellten die Forscher sogar an 42 Prozent der Messstellen fest. Das Neue an der Studie ist, dass sie europaweit eine Vielzahl von Chemikalien im Hinblick auf ihre Schädlichkeit für die erwähnten Lebewesen untersucht – die Daten selbst sammelten die lokalen Behörden im Rahmen von Untersuchungsprogrammen.

 

Ziele der Wasserrahmenrichtlinie werden nicht erreicht

 

Die Studie sagt auch, dass die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), bis 2015 alle europäischen Gewässer in einen „guten“ ökologischen Zustand zu bringen, nicht erreicht werden können und fordert umfangreichere Maßnahmen zum Gewässerschutz. Pestizide werden mit dem Regen von den Feldern in die Flüsse gespült während polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) bei Verbrennungsprozessen entstehen und Organozinnverbindungen aus Schiffsanstrichen freigesetzt werden.

 

Überwiegend gute Badewasserqualität in Europa

 

Andererseits stimmt der aktuelle Bericht über die Badewasserqualität positiv: 95 Prozent der europäischen Badegewässer hatte im Jahr 2013 eine gute Wasserqualität. Wie geht das zusammen? Auflösung des scheinbaren Widerspruchs bringt ein genauerer Blick auf die untersuchten Parameter: Während in der Studie der Koblenzer Wissenschaftler 223 organische Schadstoffe untersucht wurden, nimmt der Bericht über die Badewasserqualität nur auf die Konzentrationen von Enterokokken und Escherischia coli, zweier häufiger Darmbakterien, Rücksicht. Deren Konzentrationen sind für Badegewässer von großer Bedeutung, weil sie beim Menschen Krankheiten wie Durchfall verursachen können. Die untersuchten Badegewässer sind außerdem größtenteils Seen und Badestrände an Küsten, wo die Schadstoff- und Bakterienkonzentrationen nicht so stark schwanken wie in Flüssen.

 

Badesee in Berlin Foto: wikimedia CC/Frokor

Gefährdung durch Schadstoffe beim Baden in Flüssen?

 

Wie aber ist die Situation in Flüssen? Jeder Bürger hat über das Internet Zugriff auf die von den Behörden aufgenommenen Daten und kann sich bei Interesse über den chemischen Zustand seines Lieblingsbadeflusses informieren. Allerdings sind die Daten für den Laien schwer zu interpretieren: Sind 30 μg/L gelöstes Blei im Fluss viel oder wenig und ist es gesundheitsschädlich wenn ich darin schwimme? Eine Beantwortung solcher Fragen und eine Einschätzung, ob die chemische Schadstoffbelastung überhaupt Auswirkungen auf badende Menschen hat, geben die Ergebnisse der Badewasseruntersuchungen nicht. Auch die Belastung durch Mikroorganismen schwankt in Flüssen stark und wird nicht vom Gesundheitsamt beurteilt. Das Baden in Flüssen erfolgt daher auf eigene Gefahr – die Gefährdung durch Bakterien oder sonstige Schadstoffe muss jeder selbst abschätzen. FME

 

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