Größtes Meeresschutzgebiet gescheitert

Pinguine bei der Jagd, Foto: AOA/ John Weller

Ein schwarzer Tag für den Naturschutz: der Plan für das weltgrößte Meeresschutzgebiet ist gescheitert. Russland blockierte die internationalen Bemühungen in Bremerhaven zum Schutz des Südpolarmeeres.

 

Mit dem Scheitern der „Kommission zur Erhaltung lebender Meeresschätze in der Antarktis“ (CCAMLR)-Konferenz wurde eine entscheidende Chance für den Meeresschutz verpasst. Die Kommission konnte sich nicht darauf einigen, die weltweit größten Meeresschutzgebiete im antarktischen Ozean einzurichten. Die mehrtägige Sondersitzung in Bremerhaven endete gestern, den 16. Juli 2013 ohne Ergebnis, wie eine Pressemitteilung der Antarctic Ocean Alliance (AOA) bestätigt.

 

Weiter heißt es in der Mitteilung: Alle CCAMLR-Mitgliedsstaaten haben sich an konstruktiven Verhandlungen beteiligt, um bei diesem Treffen ein Ergebnis zu erzielen. Dagegen hat Russland mit Unterstützung der Ukraine die rechtliche Befugnis der CCAMLR-Kommission, Meeresschutzgebiete auszuweisen, grundsätzlich in Frage gestellt.

 

Zwei Jahre harte Arbeit umsonst

 

Global° berichtete bereits, dass die deutsche Bundesregierung am 11. Juli zu einer Sondersitzung nach Bremerhaven geladen hat. Dort sollte über das wichtige Schutzgebiet abgestimmt werden. Mit ernüchterndem Ergebnis trennten sich die Mitgliedsstaaten wieder voneinander.

 

Die Enttäuschung ist bei Steve Campbell, Direktor der AOA nicht zu überhören: „Nach zwei Jahren Vorbereitung und obwohl Russland dieses Treffen zur Beilegung wissenschaftlicher Bedenken hinsichtlich der Schutzvorschläge für das Rossmeer und die Ostantarktis beantragt hat, verlassen die Mitglieder von CCAMLR Bremerhaven nun mit leeren Händen.“

 

Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace warnt: „Die Meere, einschließlich des Südpolarmeers, geraten durch industrielle Ausbeutungspläne zunehmend unter Druck. Die letzten fast unberührten Gebiete wie das Rossmeer oder die östliche Antarktis brauchen dringend unseren Schutz. Viele CCAMLR-Mitgliedstaaten haben ernsthafte Bemühungen und wissenschaftliche Arbeit eingebracht, um so weit zu kommen. Die russische Delegation muss jetzt guten Willen beweisen und sicherstellen, dass die Schutzgebietsvorschlägen beim nächsten Treffen in Hobart angenommen werden.“

 

Minkwale, Foto: AOA/ John Weller

1,3 Millionen Menschen haben bereits für das Meeresschutzgebiet unterschrieben

 

Auch von den Grünen gibt es klare Worte. So heißt es von Dr. Valerie Wilms, Berichterstatterin für maritime Politik, und Dorothea Steiner, Sprecherin für Umweltpolitik: „Durch das unverantwortliche Verhalten Russlands ist eine weitere Chance verstrichen, sich international endlich zu einigen. Die Zeit wird knapp, denn die Vereinten Nationen haben sich dazu verpflichtet, bis 2020 mindestens zehn Prozent ihrer Küsten- und Meeresgewässer als Schutzgebiete auszuweisen. Derzeit sind lediglich ganze zwei Prozent der Meeresgebiete unter Schutz gestellt.“

 

Der antarktische Ozean ist Heimat für mehr als 10.000 Arten, darunter die meisten Pinguine der Welt, Wale, Seevögel und Koloss-Kalmare. Die Hoffnung liegt nun in Australien: „Auf dem nächsten regulären Treffen im Oktober in Hobart in Australien erwarten wir von allen Mitgliedern der CCAMLR, dass konstruktive Wege gefunden werden, um die Einrichtung von Meeresschutzgebieten ermöglichen“, so Fabian Ritter, Kampagnenleiter von Whale and Dolphin Conservation (WDC).

 

Nicht nur Umweltorganisationen liegt der Schutz der Meere am Herzen: Mehr als 1,3 Millionen Menschen weltweit haben eine Petition unterschrieben, im Südpolarmeer rund um die Antarktis ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten einzurichten. CFE

 

 

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