14.02.2019

Insektensterben: "Wir müssen unsere Lebensweise ändern!"

Schmetterling Bloodworm Foto: Pixabay CC0 / ElinaElena

Forscher um den australischen Ökologen Francisco Sánchez-Bayo vom Sydney Institute of Agriculture in einer Übersichtsstudie 73 Analysen zum Rückgang unterschiedlicher Insektenarten aus aller Welt ausgewertet. Das Ergebnis, das sie in der Fachzeitschrift "Biological Conservation" veröffentlicht haben, ist alamierend. Die Artenvielfalt von Insekten ist weltweit gefährdet. Die festgestellten dramatischen Rückgänge können in den nächsten Jahrzehnten zum Aussterben von 40% der weltweiten Insektenarten führen.

 

Davon betroffen sind hauptsächlich Schmetterlinge, Käfer, Bienen, Libellen und Fliegen. Die Hauptursachen für den Artenrückgang scheinen in der Reihenfolge ihrer Bedeutung zu liegen: a) Verlust von Lebensraum und Umstellung auf intensive Landwirtschaft und Urbanisierung; b) Verschmutzung hauptsächlich durch synthetische Pestizide und Düngemittel; c) biologische Faktoren, einschließlich Pathogene und eingeführte Arten; und d) Klimawandel. Der letztgenannte Faktor ist besonders in tropischen Regionen wichtig, betrifft jedoch nur eine Minderheit von Arten in kälteren Gegenden und Gebirgslagen in gemäßigten Zonen.

 

 

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Dem ABC-Fernsehen in Australien sagte Dr. Sanchez-Bayo:

 

„Wir sind keine Alarmisten, wir sind Realisten. Wir erleben das sechste Massensterben auf der Erde. Wenn wir die Basis des Ökosystems, die Insekten zerstören, zerstören wir alle anderen Tiere, die sich auf sie als Nahrungsquelle verlassen. Es wird komplett zusammenbrechen und deswegen halten wir es für nicht dramatisch, es ist eine Realität."

Die Forscher fordern ein Umdenken in Bezug auf die derzeitigen landwirtschaftlichen Praktiken, insbesondere eine erhebliche Verringerung des Pestizideinsatzes und dessen Substitution durch nachhaltigere, ökologisch orientierte Praktiken, ist dringend erforderlich, um die derzeitigen Trends zu verlangsamen oder umzukehren, die Erholung rückläufiger Insektenpopulationen zu ermöglichen und die lebenswichtigen Ökosystemdienstleistungen zu sichern. Darüber hinaus sollten wirksame Sanierungstechnologien zur Reinigung verschmutzter Gewässer in landwirtschaftlichen und städtischen Umgebungen eingesetzt werden.

 

Die Veröffentlichung im "Biological Conservation" kann man hier nachlesen...


hjo

 

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