Jetzt ist Gefahrenzeit für die Wildkatzen

Foto: Thomas Stephan/BUND

Im Herbst ist die Gefahr am größten: Wenn junge Wildkatzen nun ihre Kinderstuben verlassen, um sich eigene Reviere zu suchen,müssen sie auf ihren Streifzügen auch Straßen kreuzen. Für die unerfahrenen Tiere bedeutet das oft Lebensgefahr. Viele kommen dabei unter die Räder.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bittet daher im Herbst alle Autofahrer um besondere Achtsamkeit im Straßenverkehr. Insbesondere in waldreichen Gegenden gilt es nun vorsichtiger zu fahfrrn. „Der Straßentod gilt als die häufigste, unnatürliche Todesursache bei ausgewachsenen Wildkatzen“, sagt dazu etwa Friederike Scholz.Sie ist die Wildkatzenexpertin des BUND. Denn für den Erhalt der Wildkatzenbestände in Deutschland stellten, sagt die Expertin, "Verkehrsunfälle eine ernste, dauerhafte Bedrohung dar. Mit der Zeitumstellung verlagert sich zudem nun noch mehr Verkehr in die dunklen Tagesstunden, sodass sich das Risiko für die dämmerungs- und nachtaktiven Wildtiere nochmals erhöht.“

 

Bis zu 10.000 Wildkatzen leben wieder in deutschen Wäldern

 

Die Wildkatze hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland weiter ausgebreitet, etwa 7.000 bis 10.000 Tiere durchstreifen unsere Wälder. Sie ist in weiten Teilen Mittel-, Südwest- und Süddeutschlands wieder heimisch, doch auch in Sachsen und dem nördlichen Niedersachsen gibt es nach langer Abwesenheit wieder erste gesicherte Wildkatzen.

Die weiteste dokumentierte Wanderung eines Wildkatzenkaters war immerhin 30 Kilometer. Zahlen zu Wildunfällen mit Wildkatzen in Deutschland gibt es laut BUND nur wenige, denn nicht alle Bundesländer erfassen sie. In Hessen wurden beispielsweise von 2009-2013 durchschnittlich 35 tote Wildkatzen jährlich an Straßen gefunden, mit steigender Tendenz. Niedersachsen meldete im Zeitraum von 2010 bis 2014 insgesamt 111 tote Tiere. Dabei sei, so die Naturschützer, davon auszugehen, dass die Dunkelziffer noch viel höher sei und viele überfahrene Wildkatzen unentdeckt bleiben.

Um die Datenlage über die Todesursachen von Wildkatzen zu verbessern, macht der BUND in Rheinland-Pfalz nun daher ein Projekt zur Etablierung eines landesweiten Totfundmonitorings für Wildkatzen. Das zentrale Register soll dabei helfen, Unfallschwerpunkte zu identifizieren und zu entschärfen.

 

 

BUND Wildkatzen-Interview
Friederike Scholz, Artenschutz-Expertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über den Straßentod von Wildkatzen anlässlich der Wanderungszeit von Jungtieren



BUND vernetzt Lebensräume der Wildkatzen in Deutschland

 

Jede verunglückte Wildkatze stellt für die Artrenschützer einen herben Verlust für die geschützte Art dar. Wildkatzenexpertin Scholz rät Autofahrern: „Behalten Sie den Straßenrand rechts und links im Auge. Blenden Sie nicht das Fernlicht auf, wenn ein Tier zu sehen ist, sondern hupen Sie, damit das Tier flüchten kann.“ Wichtig dabei sei jedoch auch, "immer die eigene Sicherheit beachten".

 

 

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Der BUND setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Wildkatze ein, unter anderem indem er die Lebensräume wieder miteinander vernetzt. Mit Unterstützung von Freiwilligen pflanzt der BUND in ganz Deutschland sogenannte „grüne Korridore“ aus Bäumen und Büschen zwischen naturnahen Wäldern. Diese Wanderkorridore bieten den Wildkatzen Schutz und Deckung bei der Eroberung neuer Lebensräume.

Aus Sicht des BUND müssen Politik und Behörden jedoch noch viel stärker als bisher handeln: „Wir brauchen viel mehr Grünbrücken und andere Querungsmöglichkeiten über Straßen – für die Wildkatze und auch für andere Tiere. Zudem gehört unser Straßennetz zu den dichtesten der Welt. Die letzten unzerschnittenen Lebensräume müssen bewahrt werden und dürfen nicht dem Straßenbau geopfert werden“, sagt Scholz.


red

 

 

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