Karneval in Rio: Power to the Pee

Foto: photocase/Chacomova

Genial: Energie vom Klo. Beim Karneval in Rio stellten heuer die Mit-Veranstalter der NGO AfroReggae neuartige Toiletten in der Samba-Stadt unterm Zuckerhut auf. Die boten Tausenden von Partygängern nicht nur ein dezent verstecktes Örtchen, um sich in Ruhe vom kräftig konsumierten Caipirinha zu erleichtern – zugleich erzeugt eine kleine Turbine im Abfluss Strom für die Lichter des Fests.

„Power to the Pee“ nennen AfroReggae und die Werbeagentur JWT aus Rio de Janeiro ihr Konzept, mit dem sie den Albtraum der Stadtverwaltung vertreiben helfen, der ihr alljährlich zur Zeit des Kostüm- und Samba-Fests zum Karneval schlaflose Nächte bereitet. Denn was auf der ganzen Welt als buntes Treiben ausgelassener Menschen in teils prächtigen, teils recht knappen Kostümen bekannt ist, ist in Wahrheit eine eher wüste Party entlang der Copacabana. Weil es nahezu keine öffentlichen Toiletten in Rio gibt, urinieren die Feiernden notgedrungen hinter Bäume oder Büsche, an Hausecken und in fremde Höfe.

 

 

Logo: JWT

Statt Schmutz und Gestank beim Karneval wird Strom erzeugt

 

Die Kehrseite des berühmten Straßenkarnevals sind stinkende Häuflein und übel riechende Pfützen in den Straßen der ganzen Stadt. Alljährlich laufen daher Rios Ordnungshüter Sonderstreifen an den tollen Tagen: Erwischt die Polizei Partygäste beim öffentlichen Fremd-Piseln, müssen er oder sie Strafe für diese Erleichterung berappen – oder sie wandern erstmal in eine Arrestzelle.

Die Verwaltung der Stadt bleibt derweil trotzdem auf den nicht geringen Kosten für die Reinigung sitzen. Daher beschlossen die Stadtväter im Vorjahr nicht nur Geld im Vorfeld des Karnevals in Aufklärung zu investieren. Sie starteten 2013 gemeinsam mit JWT und AfroReggae den Versuch, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Die Sambaschule fand die Lösung: Sie stellte Urinale mit kleinen Turbinen im Abflussrohr auf. Die wandeln den Urinstrom in Elektropower. „Das kommt bei den Menschen an“, freut sich JWT-Chef und Werbeprofi Ricard John: „ Es ist uns gelungen, einen wunden Punkt in ein Fun-Projekt umzudrehen.“ Es mache den Leuten jetzt Spaß, zu helfen und Strom für das Fest zu erzeugen. „Sie stellen sich also nicht mehr an die Straßenecke, sondern gehen in die extra aufgestellten Toiletten.“

 

 

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