11.08.2019

Klima- und Landschaftsschutz: Mehr wissen über Alleen

Foto: HNEE

„Alleen stellen ein einzigartiges Natur- und Kulturgut in Deutschland dar“, betont Jürgen Peters. Weil die Straßenzüge für die Biodiversität und den Klimaschutz wichtig, aber bislang kaum erforscht sind, will er dies an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ändern und erfasst nun erstmals bundesweit Alleen und Baumreihen auf Basis von Geodaten, um sie langfristig zu schützen.

Als Projektleiter erarbeitet der HNEE-Professor mit seinem Team Daten zum besseren Schutz der deutschen Alleen. Denn die Baumreihen an den Straßen und Wegen vermeiden die Entstehung von Winderosion im Offenland und dienen als Orientierung für Verkehrsteilnehmer.

 

Verkehr contra Landschaftsbild und Klimaschutz

 

Alleen jedoch verschwinden mehr und mehr aus dem deutschen Landschaftsbild. Für den in den letzten Jahren beschleunigten Verlust von Alleen an Bundes- und Landesstraßen, so die HNEE-Experten, werde die praktische Anwendung der 2009 in Kraft getretenen „Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme“ (RPS) mitverantwortlich gemacht. In einer Sitzung der Parlamentsgruppe Kulturgut Alleen des Deutschen Bundestages wurde daher 2016 angeregt, bundeseinheitliche Standards zur Bestandsanalyse zu entwickeln und Maßnahmenvorschläge zur Sicherung und Erneuerung des Alleenbestandes, auch für Neupflanzungen, zu entwickeln.

 

 

Allee des Jahres 2013 liegt im Teutoburger Wald

Augenschmaus im Herbst ist seit 2008 die Prämierung der Allee des Jahres durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

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Ziel des Projektes in Eberswalde ist es, verschiedene Erfassungsmethoden sowie relevante Argumentationshilfen zum Thema "Alleenschutz, Erneuerung und/oder Neupflanzung von Alleen“ zusammenzustellen.

„Durch den Menschen gepflanzt, bilden insbesondere Baumreihen mit einem hohen Altbaumanteil wichtige Lebensräume für Tier- und Pflanzarten in der vielerorts ausgeräumten Agrarlandschaft“, fügt der Hochschul-Dozent hinzu. Aktuell fehlt es jedoch an validen Daten in Deutschland, die beziffern, wie viele Alleen es noch gibt und in welchem Zustand sie sich befinden.

 

Zugleich mangelt es an bundesweit einheitlichen Definitionen, woraus unterschiedliche Erfassungsmethoden resultieren. „Das Rätsel um die Anzahl, Länge und Lage aller Alleen und Baumreihen in Deutschland ist so noch längst nicht entschlüsselt“, sagt Annemarie Wilitzki. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt an der HNEE.

 

Anhand von Geodaten wollen die Wissenschaftler eine Ersterfassung aller Alleen in Deutschland vornehmen. Durch die Fernerkundung können künftig bundesweit vergleichbare und lückenlose Kartierungen auf regionaler Ebene stattfinden sowie eine Standardmethode für eine bundesweite Kartieranleitung entwickelt werden.

 

Daraus ließen sich nicht nur die Bestände erfassen, sondern auch dessen Erhalt und die Erneuerung des vorhandenen Bestandes vorantreiben. „Ziel des von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts ist es, einen Handlungsleitfaden zu erstellen, in dem bestehende Finanzierungsquellen sowie regionaltypische Baumarten und Pflanztechniken zusammenfassend dargestellt sind“, sagt die HNEE-Wissenschaftlerin.


red

 

 

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