Löwenzahn: zu viel gelb

Foto: Wikimedia CC/Werner

Der schöne Anblick unverhältnismäßig vieler gelber Blütenmeere im Frühjahr ist trügerisch. Allzu viel einheitlich gelbe Löwenzahnwiesen weisen auf überdüngte Flächen hin.

Dort wo einst viele unterschiedliche bunte Blumenarten blühten nimmt die Artenvielfalt immer mehr ab. Mit ihnen schwindet auch die Insektenvielfalt.

 

Wo viel Löwenzahn blüht, gibt es Nährstoffe satt

 

Gelb blühende Wiesen unter weiß blauem Himmel sind u. a. auch in Bayern ein immer häufigerer frühlingshafter Anblick. Ein schöner Anblick, ohne Frage, doch für Ökologen und Naturschützer wie Kai Frobel vom Bund Naturschutz in Bayern e. V. ein enormes Alarmzeichen. Denn der Löwenzahn ist einer der wenigen Blütenpflanzen, die eine erhöhte Menge an Stickstoff im Boden vertragen und sich stark ausbreitet, wenn besonders viele Nährstoffe im Boden vorhanden sind. „Die blühenden Löwenzahnwiesen sind ein sehr schönes Bild“, sagt auch Birgit Königs, Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) NRW und schiebt das erwartete „aber“ gleich hinterher. Der Löwenzahn kommt mit dem Überangebot an Stickstoff, aufgebracht durch mineralischen Dünger oder Jauche, am besten klar.

 

Mit dem vielen Löwenzahn schwindet die Artenvielfalt

 

Foto: Wikimedia CC/Nadalo

„Dafür sind solche Wiesen arm an anderen Arten“, sagt Königs. Viel Dünger gleich wenig Vielfalt. Der erfahrene und auf vielen Gebieten bewanderte Münchener Zoologe Josef H. Reichholf hatte seine Kritik an der Überdüngung des Grünlands bereits 1994 in einem Satz verdichtet: „Das Ergebnis ist die EU-Einheitswiese, auf der praktisch nur noch Löwenzahn blüht.“ Dort wo die Kinder ganze Margeritensträuße pflücken konnten, sind sie kaum oder nicht mehr zu finden. Auch viele andere Arten, wie das Wiesenschaumkraut, scharfer Hahnenfuß, Schafsgarbe und die Kuckuckslichtnelke waren bis vor wenigen Jahrzehnten ganz normale Wiesenpflanzen auf eher nährstoffarmen Böden. Geradezu dramatisch nennt der Nabu-Experte Bernd Margenburg vom Nabu Kreis Unna den Rückgang an Insekten auf den überfetten, artenarmen Wiesen: „Da brummt nichts, da ist fast nichts mehr los.“ Auch die wilde Apotheke welche z. B. Hasen für sich nutzen, ist somit nicht oder kaum noch vorhanden. Die erhöhte Stickstoffbelastung in den Böden lässt nicht nur Pflanzen- und Tierarten schwinden, zunehmend dringt es ins Grundwasser ein, immer öfter wird ein erhöhtes Nitratvorkommen im Trinkwasser nachgewiesen. Bei Lebensmitteln aus der biologischen Landwirtschaft wird auf synthetische Dünger verzichtet und generell mit düngerärmeren Methoden gewirtschaftet. Somit ist es durchaus möglich, dass die natürliche Vielfalt wieder mehr wird. Diese Vielfalt ist auch ein Zeichen für gesunde Böden und sauberes Trinkwasser. CDC

 

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