Musiker und der Artenschutz

Dr. Gerald Koch inspiziert eine Gitarre Foto: Thünen-Institut

Artenschützer auf einer Musik-Messe: Holzexperten des Thünen-Instituts durchstöberten bei der Gitarren-Messe in Oldenburg die Stände der Händler. Sie suchten nach Instrumenten, die aus illegal gehandelten Hölzern gebaut wurden. Flöten oder Geigen, vor allem aber die bei Rock- und Pop-Musikern beliebten Instrumente können nämlich aus dem Holz geschützter Arten sein. Dann dürfen sie ohne Genehmigung weder verkauft noch ausgestellt werden. global° sprach mit Dr. Gerald Koch über das Problem – und wie Musiker es leicht vermeiden können.

 

global°: Welche Art Instrumente sind von den Beschränkungen betroffen?

Dr. Gerald Koch: In erster Linie geht es um Musikinstrumente, in denen die streng geschützte Holzart Rio-Palisander (Dalbergia nigra) verarbeitet wurde.

 

Warum ist das so?

Das Holz ist bereits seit 1992 im Anhang A, das ist der höchste Schutzstatus des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES), gelistet. Seitdem darf es nicht mehr gehandelt werden. Rio-Palisander wurde vor allem für die Herstellung von Griffbrettern für E- und Akustik-Gitarren verwendet. Wir haben das streng geschützte Holz aber auch als Korpus für edle Blockblasinstrumente (Flöten) gefunden. Zudem wird mit der aktuellen CITES-Listung von Ebenhölzern aus Madagaskar (CITES-Anhang B seit August 2013, d. Red.) auch der Handel und die Verarbeitung von Ebenholz für die Streichinstrumente, etwa Griffbretter und Kinnhalter, streng überwacht. Insgesamt sind in vielen so genannt „hochwertigen“ Musikinstrumenten zahlreiche geschützte Holzarten, wie unterschiedliche Palisanderarten, Ebenhölzer und Pernambuc, verarbeitet. Das absolute Handelsverbote gilt aber nur für Instrumente mit Rio-Palisander, die nach Juni 1992 hergestellt wurden.

Experten Koch und Richter klären auf Foto: Thünen Institut

Auch Profi-Musikern ist das Problem leider oft nicht klar

 

Spielen berühmte Musiker solche Instrumente und wenn ja, wer und was für eines?

Insbesondere bei den E-Gitarren renommierter Hersteller wie Gibson, Fender, Gretsch oder Rickenbacker (Vintage-Gitarren) ist davon auszugehen, dass professionelle Musikern damit musizieren.

 

Mit welchen Konsequenzen?

Die Musiker können die E-Gitarren mit Rio-Palisander bei ihren Auftritten weiterhin nutzen. Sie dürfen ihre Instrumente aber nicht ohne eine CITES-Vermarkungsberscheinigung verkaufen oder kommerziell zur Schau stellen. Grundsätzlich muss bei Rio-Palisander geklärt und bescheinigt werden, dass das Holz vor Juni 1992 verarbeitet wurde. Dann kann der Besitzer im Einzelfall eine Vermarktungsgenehmigung für den kommerziellen Handel erhalten. Erfolgt dieser Handel ohne erforderliche Dokumente, können bei „alten“ Instrumenten Ordnungswidrigkeitsverfahren oder beim illegalen Handel mit Rio-Palisander nach 1992 Strafverfahren eingeleitet werden.

 

Warum sind diese Instrumente so besonders und warum wollen Musiker nicht darauf verzichten?

 

Es gibt alternativen, die das Klangerlebnis nicht verfälschen

Bei den CITES-geschützten Hölzern handelt es sich überwiegend um Edelhölzer, die neben ihrer besonderen Ästhetik – etwa Farbe oder Textur - auch sehr gute physikalische und mechanische Eigenschaften aufweisen: Die sind im Musikinstrumentenbau nachgefragt.

Gerald Koch auf der Vintage-Gitarren-Messe Foto: Thünen Institut

Im Fall von Rio-Palisander kann man aber auch von einem gewissen „Mythos“" sprechen: Traditionell sind die alten Vintage-Gitarren überwiegend mit Griffbrettern aus Rio-Palisander gebaut. In den 1960er-Jahren durfte es noch ohne Auflagen gehandelt werden. Händler oder Sammler erzielen mit diesen alten Gitarren eine hohe Wertschöpfung. Das schuf auch den Mythos des Rio-Palisander.

 

Wie lösen Musiker und Artenschützer ihren Interessenkonflikt?

Die wichtigste Aufgabe ist eine sachgerechte Aufklärungsarbeit. Das zeigten jüngst wieder die positiven Erfahrungen während der Vintage-Guitar-Show in Oldenburg. In den meisten Fällen können für die „alten“ Instrumente auch noch nachträglich CITES-Vermarktungsbescheinigungen erstellt werden. Die Musikinstrumentenbauer und Händler müssen sich jedoch noch besser informieren, welche Hölzer unter Artenschutz stehen und diese Informationen auch an ihre Kunden weiter geben. Hierin sehe ich einen großen Handlungsbedarf. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellt hierfür auf seiner Homepage ausführliche Informationen bereit.

 

Kennen Sie Beispiele, bei denen die Klangästhetik gegen den Artenschutz „verloren“ hat?

Als Naturwissenschaftler kann ich nicht bestätigen, dass die Klangästhetik durch die „Unterschutzstellung“ und damit eingeschränkte Verwendung der Hölzer verloren hat. Für die CITES-geschützten Hölzer gibt es nach meiner Erfahrung und Einschätzung zahlreiche Austauschhölzer mit vergleichbaren oder gleichwertigen Eigenschaften. Da zeichnet sich die Vielfalt der Natur aus. Zum Beispiel umfasst die botanische Gattung Dalbergia (Palisander) über 100 individuelle Arten. Ich könnte Ihnen noch zahlreiche Hölzer aus der gleichen Familie nennen, für die es keine Auflagen durch den Artenschutz gibt und mit denen Sie hervorragend Instrumente bauen könnten. Interview:


pit

 

 

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