Natur: Diskrepanz zwischen Wunsch und Wissen

Foto: Pixabay CC/PublicDOmain

Die neueste Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung verdeutlicht eine zunehmende Diskrepanz zwischen grünem Zeitgeist und Natur. Die „Das ist IN – das ist OUT“-Liste bei der Befragung von 1407 Bundesbürgern dominieren auf der IN-Seite deutlich Bio-Produkte (92 Prozent), während Marktwirtschaft (61 Prozent) und Leistungsbereitschaft (60 Prozent) die hinteren Plätze einnehmen.

„Die Bürger finden Bio in Umfragen super“, sagt Michael Miersch, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, „doch der Anteil der Bio-Produkte am Lebensmittel-Gesamtumsatz beträgt nur 4,4 Prozent. Schon daran zeigt sich, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammenpassen.“ Umweltschutz liegt mit 84 Prozent deutlich vor Begriffen wie Flirten oder Sicherheit. „Doch das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Befragten über ein größeres Wissen über Wildtiere und -pflanzen verfügen oder gar häufiger Zeit in der Natur verbringen“, erläutert Miersch.

 

Natur-Bildung kommt bei jungen Menschen nicht besonders an

 

Auf die Frage „Wo sollte man sich auskennen?“, rangieren Rechtschreibung (81Prozent), Gesundheitsvorsorge (52 Prozent) und der Umgang mit Computern (46 Prozent) weit vor Kenntnissen der Natur (25 Prozent). „ Ein Linden- oder Eichenblatt zu erkennen, fällt heute vielen Menschen schwer“, sagt der Geschäftsführer der Wildtier Stiftung. Auch der Aufenthalt in der Natur ist eher selten und laut Umfrageergebnis hauptsächlich älteren Menschen vorbehalten. Wandern ist vor allem eine Freizeitbeschäftigung der Generation der 60- bis 69-jährigen (66 Prozent), während bei den 14- bis 19-jährigen nur 35 Prozent wandern. Naturbildung ist für die junge Generation weniger wichtig als für die ältere.

Natur wird von Menschen zwar durchweg als etwas Gutes, Positives empfunden, aber ein krabbelnder Käfer oder eine Wespe auf dem Pflaumenkuchen zeigen sehr schnell die andere Alltagsrealität auf. „Die meisten Menschen hocken im Alltag geschützt vor Wind und Wetter bei Kunstlicht aus der Energiesparlampe in beheizten Räumen vor dem Computer und kultivieren einen träumerischen Natur-Mythos, der meist realitätsfern ist“, sagt Miersch. „Experten sprechen gar von Natur-Entfremdung.“ Schwindendes Wissen, die Dominanz von Technik und Ausflüge in Cyberwelten befeuern diesen Trend – auch wenn Projekte wie „urban farming“ und Dachbegrünungen in den Städten Mode sind.

 

Gender-Gap beim Thema Tierschutz contra Bauvorhaben

 

Auffallende Unterschiede gibt es nicht nur hinsichtlich des Alters der Befragten, sondern auch zwischen Männern und Frauen. Während Frauen dem Tierschutz bei „wichtigen Bauvorhaben“ mit 48 Prozent den Vorrang gaben, wollen nur 36 Prozent der Männer, dass ein Bauprojekt wegen einer bestimmten Tierart gestoppt wird.


red

 

 

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