Neue Studie: EU-Richtlinien für Gewässerschutz versagen

Foto:Flickr/Ulrich Erhard

Eine Untersuchung der Universität Koblenz-Landau befindet das Verfahren für die Zulassung von Pflanzenschutzmittel als unzureichend. Seit 1990 gibt es in der EU spezielle Bewertungsmodelle zur Evaluation der Unbedenklichkeit von Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden. Vor der Zulassung eines Pestizids wird mit sogenannten FOCUS (FOrum for the Co-ordination of pesticide fate models and their USe) Modellen berechnet, welche Auswirkungen der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf die umgebenden Landschaft und die Gewässer haben wird. Diese Modelle wurden nach ihrem Inkrafttreten jedoch nie einer praktischen Überprüfung unterzogen – bis jetzt!

 

Gefährliche Gifte in Seen und Flüssen

 

Die Wissenschaftler der Uni Landau untersuchten 122 Gewässerproben auf deren Insektizid-Konzentration. Diese tatsächlichen Werte verglichen sie dann mit den Vorhersagen aus den FOCUS-Modellen. Das erschreckende Ergebnis: In vier von zehn Fällen war die tatsächliche Belastung höher als die Simulationen berechnet hatten! „Die Ergebnisse der Studie belegen eindeutig, dass die Berechnungsmodelle in ihrer aktuellen Form für den Gewässerschutz ungeeignet sind“, erklärt Prof. Ralf Schulz vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. Die Pesitizide werden auf die Felder gesprüht und gelangen durch Regen und Ausspülung in Flüsse und Seen. Speziell Insektizide sind für viele der dortigen Lebewesen aber besonders schädlich. Die Biodiversität nimmt ab, das Ökosystem wird geschädigt.

 

Dosieren die Landwirte falsch?

 

Die Ursache der Verunreinigungen liegt aber vermutlich nicht nur in den falschen Modellen der EU: „Entweder ist die Zulassung von Insektiziden oder die landwirtschaftliche Praxis mit erheblichen Fehlern behaftet – vermutlich sogar beides“ vermutet Schulz. Dass die konventionelle Landwirtschaft beim Gewässerschutz nicht immer ganz vorne dabei ist und viele Richtlinien der EU mehr als Hürde denn als Segen empfindet, ist hinreichend bekannt. Das zeigt auch eine Pressemitteilung des IVA von 2011. Zum Inkrafttreten des neu überarbeiteten Pflanzenschutzgesetzes heißt es hier: „Noch ist schwer zu sagen, wie viele Präparate den Landwirten verloren gehen werden. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass immer weniger Lösungen für die Pilzbekämpfung in wichtigen Bereichen wie dem Getreideanbau zur Verfügung stehen.“ Kritisiert wird auch die „Abkehr von der bislang praktizierten wissenschaftlichen Risikobewertung, die die landwirtschaftliche Praxis zum Maßstab nahm“.

Schulz schlägt in jedem Fall vor, die von FOCUS simulierten Werte für Insektenschutzmittel vorsichtshalber um das Zehnfache zu erhöhen. Jedenfalls so lange, bis eine eindeutige Ursache für die Verunreinigungen der Gewässer ausgemacht wurde.

 

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