Onlinehandel mit illegalem Elfenbein

Gewildertes Nashorn Foto: Siegerfoto des BBC Wildlife Photographer of the Year 2017/Brent Stirton

Erneut gibt es schwere Vorwürfe von Artenschützern gegen Internethändler: Der International Fund for Animal Welfare (IFAW) veröffentlicht einen aktuellen Bericht über den Handel mit geschützten Wildtierarten. Bei Recherchen seiner Kontrolleure fanden die Artenschützer auf 106 Portalen und Social Media Plattformen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland illegale Aktivitäten.

In seinem Bericht Disrupt: Wildlife Cybercrime beschreibt der IFAW, wie auf den Portalen im Jahr 2017 innerhalb von nur sechs Wochen 11.772 Exemplare bedrohter Arten im Wert von 3.942.329 US-Dollar zum Kauf angeboten wurden.

 

Illegaler Tierhandel blüht auch in Deutschland

 

"Auch auf deutschen Webseiten floriert der Markt", schreib der IFAW in seiner Pressemeldung zurm Report: Die Experten identifizierten demnach 2.149 Angebote mit über 6.300 Wildtieren und Wildtierprodukten geschützter Arten. "Am häufigsten werden lebende Tiere angeboten", so die Experten des IFAW, "insbesondere Landschildkröten und Papageien."

Besonders auffallend: Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen fanden die Artenschützer auf einigen deutschen Portalen auch viele Elfenbein-Artikel. In 172 Angeboten bewarben Händler 211 Artikel aus Elfenbein oder mutmaßlichem Elfenbein, so die Artenschützer. Zahlreiche Angebote enthielten demnach Umschreibungen für den Begriff „Elfenbein“, "offensichtlich um so bestehende Handelsverbote auf Plattformen zu umgehen", vermuten die Aktivisten des Verbands.

„Mit wenigen Klicks kann man im Internet Elfenbein-Produkte, lebende Landschildkröten, Riesenschlangen oder exotische Papageien kaufen – rund um die Uhr und ohne großes Risiko“, sagt Robert Kless, der Leiter des IFAW Deutschland. „Oft ohne es zu wissen, tragen die Käufer damit zum globalen Artensterben bei und heizen die Wilderei und die Nachfrage nach geschützten Tieren oder Tierprodukten an. Der Online-Handel mit geschützten Arten muss streng reguliert und überwacht sowie Verstöße konsequent bestraft werden.“

 

Kooperation mit Portalen zeigt Erfolg gegen illegale Praxis

 

Insgesamt zeige der Bericht, so der IFAW,dass der Online-Handel mit Elfenbein oder mutmaßlichem Elfenbein ein anhaltendes Problem darstelle: "In fast einem Fünftel aller erfassten Angebote wurden Elfenbein-Produkte angeboten."

Da der Internethandel mit Elfenbein Teil des globalen Elfenbein-Marktes ist und zur Ausrottung der Elefanten beiträgt, fordert der IFAW ein konsequentes Handelsverbot mit Elfenbein in Deutschland und in der EU.

Auch international werden nach der erkenntnis der Artenschützer überwiegend lebende Tiere, insbesondere Land- und Wasserschildkröten, gehandelt: Sie machten 45 Prozent der Wildtier-Exemplare aus. Fast ein Viertel der übrigen Exemplare waren Vögel. Darunter fanden sich laut Recherchen des IFAW auch bedrohte afrikanische Graupapageien. Auch Exemplare von Säugetieren wie Katzen, Primaten, Bären und Nashörnern entdeckten die Artenschützer. Ein Handel mit geschützten Tieren könne legal sein, erklären sie in ihrerem Pressetext, dann aber dann müssten behördliche Bescheinigungen wie Zucht- oder Vermarktungsgenehmigungen vorliegen.

 

Grafik: IFAW

„Der Online-Handel ist extrem schwer zu kontrollieren, denn die wenigsten Anzeigen beinhalten nachprüfbare Informationen, die die Legalität des Angebotes belegen“, so Kless weiter. „Die Anonymität, die Geschwindigkeit, in der Verkäufe abgewickelt werden und die Verfügbarkeit rund um die Uhr stellen sowohl Online-Marktplatzanbieter wie Vollzugsbehörden vor eine schier unlösbare Aufgabe. Um diesen Handel wirksam einzudämmen, müssen Gesetze verschärft werden und Website-Betreiber müssen strenge Vorgaben zum Handel mit geschützten Arten machen – Vorgaben, die sich auch regulieren und überprüfen lassen.“

eBay, einer der größten Online-Marktplätze weltweit, gehört zu den Partnern des IFAW und ist eines der Gründungsmitglieder der Global Coalition to End Wildlife Trafficking Online. "Das Unternehmen führte bereits sehr früh strenge Richtlinien ein, die sich gegen den illegalen Verkauf von Wildtieren richten", betont der IFAW: „eBay nimmt seine Verantwortung ernst, zum Schutz der am meisten bedrohten und gefährdeten Tierarten der Welt beizutragen“, so Wolfgang Weber, Leiter der Globalen Regulierung bei eBay. „Letztes Jahr haben wir 45.000 Angebote abgefangen oder gelöscht, die unsere Vorgaben zum Wildtierhandel verletzten. Die enge Zusammenarbeit mit dem IFAW und anderen Partnern bei Initiativen wie der Global Coalition to End Wildlife Trafficking Online führt zu starken und effektiven Maßnahmen, mit denen wir nachhaltige Ergebnisse erzielen.“

 

Neuer Verband soll Handel mit Wildtieren bis 2020 reduzieren

 

Die deutschen Portale markt.de und quoka.de erließen ebenfalls aufgrund langjähriger Kooperation mit dem IFAW Elfenbeinhandelsverbote. Auf diesen Seiten hätten die Rechercheure während ihrer Untersuchung kein Elfenbein gefunden.

Im März 2018 riefen IFAW, WWF und TRAFFIC mit 21 Gründungsunternehmen die Global Coalition to End Wildlife Trafficking Online ins Leben. Sie wollen gemeinsam ein die ganze Branche einschließendes Konzept entwickeln, mit dessen Hilfe der illegale Online-Handel mit Wildtieren bis 2020 um 80 Prozent reduziert werden soll.


red

 

 

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