Plastikmüll am Ende der Welt

FOto: Morales/GEOMAR

(Leider) Keine gute Nachricht: Martin Thiel von der Universidad Católica del Norte im chilenischen Coquimbo erforscht weltweit die Mikroplastik-Belastung der Ozeane. Sein Fazit: „Das Müllproblem im Ozean ist global und es ist schon in den entlegensten Regionen der Erde angekommen.“

Mikroplastik fanden Forscher schon auf dem Grund des Polarmeers am Nordpol oder im 11.000 Meter tiefen Mariannengraben des Pazifik. Jetzt zeigen Messungen der Wissenschaftler vom Núcleo Milenio ESMOI (Ecology and Sustainable Management of Oceanic Islands), die gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen anderer wissenschaftlicher Einrichtungen in Chile sowie vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel auf mehreren Expeditionen im Südpazifik zwischen der Osterinsel und dem südamerikanischen Festland Wasserproben nahmen und dokumentierten, "dass fast 100 unterschiedliche Arten von der Verschmutzung mit Plastik betroffen sind". Das schreiben sie jetzt in ihrer Pressemeldung über die Forschungsreise.

 

Konsummüll sogar auf den entfernten Osterinseln

 

Sogar auf den Osterinseln im Südpazifik fanden die wissenschaftlern Müll. Es ist eine der entlegensten Regionen der Erde. Obwohl tausende Kilometer von den Kontinenten entfernt lassen sich dort, wie im gesamten Südpazifik, die Abfälle der menschlichen Zivilisation in Form von Plastik nachweisen. Das chilenisch-deutsche Forscherteam publiziert seine Funde in der Fachzeitschrift Frontiers in Marine Science.

„Besonders hohe (Mikro)-Plastikkonzentrationen haben wir rund um die Osterinsel und in bis 2.000 Kilometern Entfernung vor der chilenischen Küste gefunden“, erläutert Martin Thiel.

 

 

Pottwale: Große Menge Plastikmüll im Magen

Vier der 13 in Schleswig-Holstein gestrandeten Jungwale hatten teils große Mengen Plastikmüll in ihren Mägen. Die Tiere waren ins Wattenmeeres geraten. Bei ablaufendem Wasser, drückte das Gewicht ihres Körpers Blutgefäße, Lunge und andere Organe zusammen, so dass die Tiere an Herz-Kreislauf-Versagen starben.

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Außerdem haben die Forscherinnen und Forscher Berichte über marine Organismen ausgewertet, die sich in größeren Plastikteilen wie beispielsweise alten Fischernetzen verfangen hatten. „Das kommt häufiger in den küstennahen, stark befischten Regionen des Humboldtstrom vor, während wir im offenen Ozean eher sehen, dass Organismen kleinere Plastikteile verschlucken“, sagt Thiel. Die Studie zeige sehr deutlich, dass sich die Partikel im Bereich der subtropischen Wirbel konzentrieren, sagt der deutsche Meeresbiologe, der schon seit vielen Jahren in Chile lebt und sich gegen die Verschmutzung der Ozeane engagiert.

Besonders deutlich werde die Belastung durch den Kunststoffabfall, wenn man sich anschaue, was marine Lebewesen davon aufnehmen. „Wir haben knapp 100 verschiedene Arten aus dem Bereich des Südostpazifiks untersucht. Darunter 20 Fischarten, mehr als 50 Seevögel und knapp 20 Meeressäuger“, erläutert Thiels Kollege Nicolas Ory vom GEOMAR: „In den Mägen finden sich alle möglichen Plastikfragmente, zum Teil in erschreckend hoher Konzentration.“

Diese beeinträchtigten oder schwächten die Lebewesen zumindest und können laut Ory "langfristig zu einer erhöhten Mortalität führen".


red

 

 

 

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