Rotterdam erprobt Straßen aus Recycling-Plastik

Grafik: KWS Infra

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Niederländische Baukonstrukteure wollen Straßen künftig nicht mehr mit Asphalt befestigen, sondern mit Platten aus Recycling-Kunststoff „pflastern“. Das spart Zeit, verursacht weniger CO2-Emissionen, macht die Fahrbahn widerstandsfähiger und das Verlegen von Leitungen einfacher, begründet Volker Wessels seine Idee.

Immerhin:1,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid gehen jedes Jahr weltweit auf das Konto von Asphalt für unsere Straßen. Damit ist der Fahrbahnbelag für zwei Prozent aller Transport-Emissionen verantwortlich, schreibt der britische Guardian über das Konzept aus den Niederlanden. Für Wessels ist das allemal Grund genug, endlich nach Alternativen zu suchen. Wenn er dabei auch zugleich den Plastikmüllberg abtragen kann: umso besser.

 

Straße aus Recycling-Plastikflaschen: Pilotprojekt in Rotterdam

 

Der Stadtrat von Rotterdam beschloss jetzt ein erstes Pilotprojekt mit dem neuen System. Wessels Unternehmen KWS Infra will den neuen Straßenbelag dafür ausschließlich aus wiederverwerteten Plastikflaschen herstellen.

Die Kunststoff-Teile sollen nicht nur Temperatur resistenter werden als konventionelle Straßen. Wessels Fahrbahn hält, so rechnet er, Temperaturen von minus 40 bis plus 80 Grad Celsius stand – ohne sich zu verformen oder zu brechen. In Zeiten des Klimawandels ein durchaus starkes Argument. „Die Haltbarkeit der Straßen wird sich verlängern“, prophezeit Volker Wessels. Angesichts der – auch in Deutschland – derzeit debattierten desolaten Infrastruktur der Autobahnen und vieler Brücken, sicherlich ein weiteres Plus und eine Perspektive.

 

Plastikstraße als Beitrag zum Klimaschutz

 

Grafik: KWS Infra

Die Bauteile aus Plastik kann er zudem in der Fabrik vorab fertigen. „Das spart enorm Bauzeit“, ist Volker Wessel überzeugt. Zudem kann er in den Hohlprofilen der Elemente bereits Schächte vorsehen, in die er später Kabel oder Leitungsrohre einschieben kann. Lästiges Aufbuddeln der Straße mit Baggern entfällt somit: Weniger Baustellen heißt im Umkehrschluss weniger stockender Verkehr oder Stau – und das bedeutet weniger CO2-Last.

Weitere Vorteile: Die Bauzeit der Straßen verkürze sich. Das Plastikmaterial ist zudem viel leichter als konventioneller Kies, Sand und Asphalt. Das verringere, sagt Rolf Mars von KWS Infra, auch die Transport-Emissionen zu den Baustellen.

Nicht zuletzt bietet der neue Ansatz auch eine Möglichkeit, das stetig anwachsende Volumen gebrauchten Kunststoffs sinnvoll zu verwenden. Das Downcycling zu Terrassenstühlen oder Parkbänken und Leitpfosten stößt an Grenzen.

Mit neuen Ideen für Straßenbeläge kennen sich die Niederländer aus: Sie beheizen Fahrradwege oder verbauen Solarmodule, damit Straßen Strom produzieren.


pit

 

 

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