08.02.2019

Teenager holt tausende Golfbälle aus dem Pazifik

Foto: theplasticpick-up.org

Im Frühjahr 2016 tauchte die damals 16-jährige Alex Weber mit ihrem Vater vor Pebble Beach an der Küste Kaliforniens. Beim Blick auf den Meeresboden stellten sie verwundert fest, das kaum Sand zu sehen war. Es war alles weiß - weiß von tausenden Golfbällen. Sie tauchten runter, um sich das Ausmaß der Umweltverschmutzung genauer anzusehen.

 

"Die Entdeckung eines so großen Plastikproblems unter Wasser hat mich sowohl schockiert als auch meine Neugier gefesselt. Was als Tag des Freitauchens begann, führte zu einem Projekt, das mein Leben seitdem verändert hat," beschreibt Alex die Entdeckung.

Sie nahm das, was sie und ihr Vater gesammelt hatten, mit nach Hause. Beim nächsten Tauchgang waren sie bereits mit Netztaschen ausgerüstet und hatten Verstärkung mitgenommen. Alex hatte einen Schulfreund überzeugt mitzumachen. An diesem Tag haben sie fast 2.000 Golfbälle gesammelt, was erst der Anfang von <https://www.theplasticpick-up.org>"The Plastic Pick-Up" war. Sie sammelten weiter, fanden neue Buchten mit noch mehr Golfbällen. Die meisten waren zwar noch intakt, aber viele waren durch die Strömung beschädigt und abgeschliffen. Teilweise waren sie so stark zerstört, dass sie kaum noch als Golfbälle zu erkennen waren. Mit der Zeit wuchs die Golfballkollektion im Hinterhof und der Garage immer weiter an und das galt auch für den Gestank.

 

Auf die Frage, warum sie so beharrlich an diesem Problem arbeite, antwort Alex:

 

"Je mehr ich tauche, sammele, erforsche und die Natur erlebe, desto mehr belastet es mich, wie Menschen mit der Erde umgehen als sei sie ihr Eigentum. Ich hatte immer das Bedürfnis, etwas zurückzugeben, und als ich auf dieses Problem stieß, wusste ich, dass es die perfekte Möglichkeit sein würde, ein bischen zu helfen."

Alex hörte von einem Wissenschaftler der Stanford University, Matt Savoca, der Plastikmüll im Ozean studierte. Sie schickte ihm eine E-Mail, und er kam, um sich ihre Sammlung anzusehen. Savoca, Postdoktorand am Hopkins Marine Lab der Standford University, war beeindruckt und sagte, sie solle eine Arbeit darüber schreiben. Aber sie antwortete: "Matt, ich bin 16 Jahre alt. Ich weiß nicht, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt!" Also entschied er sich kruzer Hand zu helfen, sowohl was das Wissenschaftliche als auch das Tauchen und Sammeln betraf.

 

Sie nahmen von nun an Kajaks mit, um die Golfbälle zu transportieren. Die Arbeit unter Wasser hart, der Ozean vor Kalifornien ist kalt und auch nicht ganz ungefährlich. Allerdings waren hier die Haie vor Ort weniger das Prolem, im Gegensatz zu den Golfbällen, die immer wieder vom nahegelegenen Golfplatz direkt in den Ozean hineinflogen. Auf diesem Grün hat neben vielen Stars auch Donald Trump schon den Golfschläger geschwungen und wohl schon mal einen Ball übers Grün hinaus versenkt. Über zwei Jahre sammelten sie mehr als 50.000 Golfbälle. Die Quelle für diesen enormen Fund, fünf Golfplätze: Zwei entlang der Küste und 3 am Carmel River - diese Golfbälle rollten unter Wasser den Fluss hinunter ins Meer.

 

Foto: theplasticpick-up.org

Nach fast einem Jahr Arbeit konnte Alex dann mit der Hilfe ihres Mentors Savoca in der Zeitschrift Marine Pollution Bulletin ihre Forschungsstudie veröffentlichen. Darin berichtet das Team, dass die Golfbälle mit einer dünnen Hülle aus Polyurethan beschichtet sind. Der Kunststoff zersetzt sich im Wasser mit der Zeit und wird zu Mikroplastik, der dann eine leichte, aber schädliche, Beute für die Meerestiere wird. Das Team weist auch darauf hin, dass es auf der ganzen Welt viele Golfplätze in Küstennähe gibt und es daher wichtig ist, entsprechende Schutzszenarien für diese Regionen zu entwickeln.

 

Alex Weber und ihr Freund Jack Johnston haben inzwischen viele Vortäge gehalten, ihre Geschichte ist in vielen Artikeln und Fernsehberichten veröffentlicht worden. Auch haben sie viel Hilfe bekommen und neue Mentoren hinzugewonnen, sodass sie ihre Arbeit auf jeden Fall fortzusetzen können.

 

Weitere Information zum Projekt gibt es unter www.theplasticpick-up.org

 

Die Forschungsstudie ist im Marine Pollution Bulletin veröffentlicht...


hjo

 

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