Verlust der Arten ist schlimmer als der Klimawandel

Montage: Universität Kopenhagen

Das Artenserben ist schlimmer als die Folgen des Klimawandels: „Die Bewahrung der Artenvielfalt und des ökologischen Gleichgewichts ist eine größere Herausforderung“, betonte laut Agentur Pressetext jetzt der Direktor des Zentrums für Makroökologie, Evolution und Klima der Universität Kopenhagen: Carsten Rahbek vertrat die These beim Vorbereitungstreffen zur Gründung des UN-Biodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Panel for Biodiversity and Ecosystem Services).

Die Artenvielfalt und die Lage der Ökosysteme stehe derzeit auf "Alarmstufe Rot". Das zeige die Betrachtung aus Perspektive der Erdgeschichte. Das Artensterben verläufe derzeit um das 100- bis 1.000-Fache schneller als die natürlichen Rate, sodass man bereits vom "Sechsten Massensterben" spreche, zitiert Pressetext.

 

Logo: IPBES

Das jüngste derartige Ereignis vor 65 Millionen Jahren, bei dem Dinosaurier und viele andere Arten verschwanden, ging auf globale Änderungen des Klimas und der Atmosphäre zurück, deren Auslöser Asteroiden und Vulkane waren.

"Das jetzige Massensterben ist Ergebnis des Wettkampfes um Ressourcen einer Spezies des Planeten - des Menschen - gegen alle anderen", analysiert Rahbek. Hauptmotor sei diesmal die Verschlechterung der Lebensräume, deren Folgen durch den menschenverursachten Klimawandel noch verschlimmert werden. "Wahrscheinlich gefährdet die Biodiversitäts-Krise die Menschheit mehr als der Klimawandel. Wissenschaft und Politik müssen eng kooperieren, um das Problem zu lösen."

Gelingen soll dies künftig durch den Biodiversitätsrat IPBES, der sich an der Funktionsweise des Weltklimarates IPCC orientieren soll. Die Gründung des Rats ist für April geplant.

"Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Artenverlustes sind enorm und werden fast immer unterschätzt", betont auch Christoph Görg, Leiter des Departments für Umweltpolitik am Zentrum für Umweltforschung. Ein Ausspielen von Klimawandel und Artenkrise gegeneinander lehnt der Experte allerdings ab. "Klima und Biodiversität sind eng miteinander verwoben. Wo Ökosysteme degradiert sind, ist die Klimaverletzbarkeit viel größer, was sich etwa auf die Armut oder Ernährungssicherheit einer Region auswirkt."

Nachdem die Vereinten Nationen bereits 2010 die Unterstützung einer IPBES-Gründung ausgesprochen haben, hatten Experten diesen Schritt Herbst 2011 erwartet. Nach Verzögerungen hofft man nun auf einen Start im April bei der UN-Konferenz in Panama City mit darauf folgender Bestätigung durch diverse UN-Gremien. "Fachlich gibt es keinen Dissens, doch juristisch war bisher unklar, wie der künftige Rat als Teil des UN-Systems eingerichtet werden kann."

 

 

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