Präriehunde: Komplexeste Sprache im Tierreich?

Komplexe Sprache gibt’s nur bei uns Menschen? Weit gefehlt! Wale unterhalten sich über hunderte von Kilometern hinweg, soziale Bienen und selbst Pflanzen kommunizieren auf chemischem Niveau- doch was der Forscher Con Slobodchikoff über die Sprache von Präriehunden herausfand, haut einen um.

 

Die Tiere verwenden Alarmrufe, um ihre Artgenossen vor sich nährenden Feinden zu warnen. Und dabei können sie nicht nur unterscheiden, ob gerade vom Kojoten, dem Haushund oder dem Menschen Gefahr droht- nein, sie beschreiben ihren Kollegen auch noch bis ins kleinste Detail, was sie erwartet. Kommt da ein großer oder ein kleiner Hund, ist der Mensch kräftig gebaut oder gertenschlank- und last but not least: Welche Farbe hat eigentlich sein T-Shirt?

 

 

Foto: wikimedia commons/Gunnar Ries

Es klingt unfassbar, doch die Präriehunde konnten im Experiment glasklar zwischen verschiedenen Personen unterscheiden. Näherte sich ein- und derselbe Mensch in unterschiedlichen Oberteilen, waren die Informationen für Größe und Form (dick oder dünn) die gleichen- doch bei der Farbe unterschieden die smarten Nager zwischen grün, gelb, blau und bunt. Bei rot klänge der Alarm sicher wieder ganz anders- wenn die Tiere die Farbe denn wahrnehmen könnten.

 

Dialekte und unterschiedliche Sprachen

 

Doch das ist noch lange nicht alles: Auch Ovale, Kreise und Dreiecke konnten die Präriehunde problemlos auseinander halten. Übrigens sprechen auch die Nager Dialekt- in Arizona etwa klingt ihr Wort für „Mensch“ ganz anders als in New Mexico. Dank unterschiedlicher Sprachen könnte es übrigens auch zwischen den fünf verschiedenen Präriehundarten schwierig werden mit der Kommunikation- ähnlich wie bei uns, denn wer spricht schon Französisch, Spanisch und Portugiesisch gleichzeitig?

 

Außer den Alarmrufen verfügen die Tiere noch über weitere Sprachstrukturen, deren Kontext jedoch bislang unbekannt ist. Beispielsweise schlackern sie mit dem Schwanz oder richten sich ruckartig auf ihre Hinterbeine auf. Letzteres wurde im Zusammenhang mit Revierkämpfen, sich entfernenden Feinden oder einer sich näherenden Schlange beobachtet, aber auch scheinbar ohne jeden Grund. Ein Ausdruck purer Lebensfreude, vermutet Slobodchikoff.

 

Laut ihm verfügen Präriehunde über die ausgeklügelste, komplexeste Sprache im gesamten Tierreich- selbst verglichen mit Delfinen und Primaten. Zumindest, was den derzeitigen Forschungsstand angeht, denn der Wissenschaftler vermutet: „Auch andere Tiere verfügen über diese Art von Sprache- wir haben sie bislang nur noch nicht gründlich genug studiert.“ NISO

 

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