Wälder erholen sich nicht von Eingriffen des Menschen

Lüneburger Heide flickr cc/Marnie Pix

Gestörtes Ökosystem regeneriert sich nicht. Wiederaufforstung sollte die Wälder auf ehemaligen Äckern eigentlich wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzen. Doch nun haben Forscher der Universitäten Kiel, Lüneburg Minnesota und des Helmholtz Institutes für Umweltforschung in Halle herausgefunden, dass sich die Wälder selbst 110 Jahre nach der Aufforstung nicht erholt haben.

Die Forscher haben dabei Böden und Wälder aufgeforsteter Flächen in der Lüneburger Heide untersucht und mit historischen Waldbeständen verglichen. Dabei fanden sie heraus, dass sich die Mikroorganismen im Boden stark verändert haben. Der Artikel erschien im März in der Zeitschrift Soil Biology & Biochemistry.

 

Ackerbau verändert den Boden

 

Durch das ständige Düngen, Pflügen und Auflockern des Bodens siedeln sich neue Pilze an und verändern dessen Gehalt. Einige Bodenbakterien profitieren und andere verschwinden. Dazu berichtet Dr. Andreas Fichtner von der Universität Kiel: „Pilze und Bakterien steuern die wesentlichen Umbauprozesse im Boden. Manche fixieren Nährstoffe aus der Luft, beispielsweise Stickstoff. Andere bauen abgestorbene organische Substanzen ab. Sie beeinflussen daher die Nährstoffkreisläufe immens.“

Bislang gingen Forscher davon aus, dass die Wiederaufforstung auch die Mikroorganismen des Bodens wieder in ihren Urzustand zurückversetzt. Doch genau das haben sie nun für die Lüneburger Heide widerlegt. Selbst 110 Jahre nach der Wiederaufforstung haben sie Unterschiede zwischen historischem und neuem Erdreich festgestellt. Die ehemaligen Ackerböden enthalten mehr Bakterien und Pilze, als die Böden ursprüngliche Eichenwälder. Gleichzeitig erhöhte sich auch der Anteil von Phosphor und Stickstoff infolge der Düngung.

 

Mehr Nährstoffe – mehr Probleme?

 

Eine bessere Nährstoffversorgung hat natürlich Vorteile. Die Bäume wachsen schneller und sind größer. Doch die Forscher haben festgestellt, dass dies auf der Lüneburger Heide nicht für alle Bäume gilt. Denn eine gute Versorgung bedeutet zwar viele und größere Blätter und dadurch mehr energiereiche Stoffe durch Photosynthese. Aber gleichzeitig gibt der Baum auch mehr Wasser ab und das kann bei Trockenheit ein großes Problem werden. Hinzu kommt, dass die untersuchten Eichen ihre Wurzeln meist knapp an der Oberfläche bildeten. Denn die oberen Schichten der Äcker sind durch ständiges pflügen sehr viel lockerer geworden. Dieser Teil trocknet jedoch bei Dürre schneller aus. Dies ist momentan laut Andreas Fichtner noch eine These, welche sich aber durch weitere Forschungen immer mehr bestätigt.

Die Forscher untersuchen nun inwieweit sie ihre Ergebnisse der Lüneburger Heide auch auf andere Flächen Norddeutschlands übertragen können. Noch ist auch nicht klar, ob sich die Zusammensetzung der Böden in den nächsten Jahrzehnten doch wieder verändert. Dr. Goddert von Oheimb von der Leuphana Universität Lüneburg: „Es ist durchaus denkbar, dass die vom Menschen verursachten Änderungen irreversibel sind.“ STA

 

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