Warnung vor Rio+20: Erde kein „Perpetuum Mobile“

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Green Economy ohne soziale Gerechtigkeit: Das „grüne“ Wirtschaftsmodell vernachlässigt, neben Kohlenstoff- und Ressourceneffizienz die soziale Nachhaltigkeit. „CO2-Kompensationen, Naturschutz und Ökotourismus gehen oft an beteiligten Menschen vor Ort völlig vorbei und fördern die Armut“, behaupten Forscher um Melissa Leach vom britischen Institute of Development Studies. Sie untersuchten Fälle auf drei Kontinenten.

Die Agentur Pressetext zitiert Beispiele, die Leach im Journal of Peasant Studies aufzählt. Dazu „gehört das Ökotourismus- und Naturschutzprojekt Maya-Biosphäre in Guatemala, bei dem Anrainer oft mit Gewalt ausgeklammert bleiben. Biokohle-Unternehmen in Ost- und Südostafrika bringen Bauern und Hirten um ihre Ressourcen und vertreiben sie immer wieder, und auch bei den Waldschutzprogrammen


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D+ häufen sich Hinweise auf Enteignungen.“ Erfahrungen aus Kambodscha oder Sierra Leone seien ähnlich: Nur wenige Menschen, die dort lebten, profitierten von Plantagen durch neue Arbeitsplätze oder Ausgleichszahlungen.

Die Gründe für dieses als Green Grabbing bezeichnete Problem erklärt Ralf Schneider von der Welthungerhilfe: „Der Schwenk von fossiler auf erneuerbare Energien kurbelt die Agrarproduktion an. Man erzeugt vorrangig in Entwicklungsländern Palmöl, Biomasse oder Soja, doch auch der deutsche Raps für Biogas oder Biodiesel fällt ins Gewicht: Da wir immer mehr Felder damit bepflanzen, werden Obst und Gemüse importiert, was anderswo zusätzliche Flächen erfordert.“

Sein Fazit: Green Economy dürfe nachwachsende Rohstoffe nicht überstrapazieren - zumal vielfach schon heute Kapazitätsgrenzen erreicht seien.

Während Studienautorin Leach in den Beispielen die „Dunkle Seite der Green Economy“ sieht, pocht Schneider laut Pressetext darauf, dass die Ausgestaltung der grünen Wirtschaft noch nicht fixiert sei. Bisherige Textentwürfe zu Rio+20 betonten die drei Säulen der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit. Was dies bedeute, sei den wenigsten klar, behauptet der Welthungerhilfe-Experte gegenüber der Agentur. „Diese Formulierung impliziert eine Anpassung des Lebensstandards an die Umwelt. Für die Industrienationen bedeutet das Einschränkungen etwa bei Treibstoff, Flugreisen oder Fleisch - also eher eine Vollbremsung als Wachstum.“

Immerhin, so Schneider, gäbe es seit dem ersten Rio-Treffen 1992 Fortschritte, zu denen er das FCKW-Verbot zur Einschränkung des Ozonproblems, die Katalysatoren-Pflicht zur Bekämpfung des sauren Regens oder die verbesserten Kläranlagen zählt. Die Strategie, Probleme mit Technik aus der Welt zu schaffen, stoße aber an Grenzen: „Armut, Ungleichheit und Mensch-Natur-Konflikte gibt es weiterhin“, so Schneider, „wir brauchen nicht nur Katalysatoren und Baumpflanzungen, sondern ein komplettes Umdenken. Die Erde ist kein Perpetuum Mobile.“

 

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