Jäger töten innerhalb weniger Stunden tausende Singvögel

In Italien haben wiedermal Jäger vor den Augen protestierender Vogelschützer mehrere Tausend Singvögel abgeschossen und sich ungeniert dabei filmen lassen. Schauplatz ist der 1.400 Meter hohe Colle San-Zeno, einer der wichtigsten Vogelzug-Korridore in den Südalpen.

 

Mitglieder des Bonner Komitees gegen den Vogelmord und der Mailänder Liga zur Abschaffung der Jagd (LAC) stellten sich im Oktober an mehreren Tagen zwischen die Jäger. Doch anstatt die Jagd abzubrechen, feuerten die Schützen hemmungslos auf die Vogelschwärme. „Es war völlig surreal. Pro Stunde fielen rund 1.500 Schüsse. Überall lagen tote oder schwer verletzte Vögel herum. Teilweise fielen die getroffenen Tiere direkt in unsere Beobachtergruppe hinein und Schrot prasselte auf uns herab" schildert Komiteemitarbeiter Dr. Andrea Rutigliano die Situation.

 

Mit Videokameras filmten die Vogelschützer die Schießorgie, an der etwa 100 Männer beteiligt waren und bei der nach Schätzungen von anwesenden Jagdaufsehern mindestens 10.000 Wiesenpieper, Buchfinken, Bergfinken und Kernbeißer getötet wurden. Der Film, der Vogelfreunde in ganz Europa schockiert, enthält Sequenzen aus dem insgesamt mehrstündigen Material und wurde auf dem Youtube Kanal des Komitees veröffentlicht.

 

„Der eigentliche Skandal ist, dass niemand für diesen Naturfrevel zur Rechenschaft gezogen werden kann", so Graziella Zavalloni, Sprecherin der LAC. Obwohl der Abschuss dieser vier Vogelarten von der EU verboten wurde, hat die Regionalregierung in Mailand den Abschuss von Piepern, Finken und Kernbeißern mit einem Sondergesetz auch in diesem Jahr wieder erlaubt. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte Italien wegen der Freigabe dieser Arten für die Jagd bereits im Juli 2010 verurteilt. Das Komitee gegen den Vogelmord hat heute eine weitere Umweltbeschwerde angekündigt und will das auf dem Colle San-Zeno erstellte Material als Beweis für massiven Missbrauch bei der EU-Kommission einreichen.

 

Der Verband alle Vogel- und Naturfreunde hat dazu aufgerufen, bei der neuen Regierung in Rom gegen die Massaker zu protestieren. Eine vorgefertigte Protestmail ist auf der Homepage des Komitees abrufbar.

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