Ab in die Tonne?

Foto: wikimedia commons/ Thief12

Fast jeder Deutsche hat ein Handy – und wenn es geht, sogar ein neues Modell. Experten schätzen, dass in unseren Schubladen und Schränke 83 bis 86 Millionen gebrauchte Handys liegen. Ans Recyclen der wertvollen Rohstoffe denkt allerdings kaum jemand.

 

Wissenschaftler des Institute for Advanced Sustainabitity (IASS) Potsdam und des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie erforschten im letzten Jahr, wie man jugendlichen Benutzern das Recyclen ihrer Handys schmackhaft machen könnte. Im Auftrag des Bundesforschungsministeriums und in Zusammenarbeit mit Telefonanbietern entwickelten sie im Projekt „Rückgabe und Nutzung gebrauchter Handys“ verschiedene Lösungsstrategien. Denn eines ist klar, wenn wir die verbauten Rohstoffe aus unseren alten Telefonen nicht wiederverwerten, werden die Materialien in Zukunft immer knapper und die Preise steigen ins Unermessliche.

 

Richtig Recyclen ohne Datenmissbrauch und Trennungsschmerz

 

In Deutschland besitzen schätzungsweise 99 Prozent der Jugendlichen ein Mobiltelefon, aber kaum einer weiß, wo er sein Handy weiter- oder zurückgeben kann und vor allem, wie wichtig diese Schritte sind. Am einfachsten ist es natürlich, sein altes Gerät einfach innerhalb der Familie weiterzureichen. Möchte es keiner haben, ist Recyclen die nachhaltige Alternative.

 

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Handybenutzer den Recyclingwegen jedoch oft misstrauen, da jemand mit den Daten Schindluder treiben könnte. An dieser Stelle müsste die Mobilfunkanbieter Möglichkeiten anbieten, die Geräte sicher zurückzunehmen und garantieren, dass kein Datenmissbrauch stattfindet.

 

Häufig haben junge Leute ihren digitalen Begleiter so sehr ins Herz geschlossen, dass sie sich gar nicht von ihm trennen wollen, selbst wenn sie längst ein neue Modell erworben haben. Zielgruppenspezifische Aufklärungskampagnen könnten die Notwendigkeit unterstreichen, die Rohstoffe zurückzugewinnen. Vor allem die Politik ist hier in der Pflicht, die entsprechenden Anreize für Industrie und Nutzer zu schaffen und Impulse für neue Initiativen zu geben. Ein Vorschlag der Forscher ist das „Handy-Leasing“, also ein Handykauf auf Zeit mit automatischer Rückgabe- und Rücknahmeverpflichtung.

 

Hausaufgaben der Mobilfunkanbieter

 

Die Forscher weisen darauf hin, dass nicht nur die Konsumenten in der Pflicht sind, ihrer Bringschuld gerecht zu werden, sondern dass auch die Produzenten eine Holschuld haben. Nötig ist ein Umdenken in der Industrie. Betriebe müssen offenlegen, wie hoch der Ressourcenverbrauch und der ökologische Rucksack eines Mobiltelefon in Wirklichkeit ist. Daneben sollten sie das Recyclingproblem zum Bestandteil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie machen und beispielsweise Handytauschbörsen einrichten, Bauteilsysteme entwickeln oder standardmäßig Nachhaltigkeits- und Recyclingsapplikationen auf ihren Geräten installieren. Die Aufforderung zur Rückgabe könnte bereits Teil der Produktinformation sein.

 

Schulklassen auf „Rohstoff-Expedition“

 

Im Zuge des Projekts konzipierten die Wissenschaftler eine „Rohstoff-Expedition“ für Schulklassen, inklusive Unterrichtsmaterialien. Teil dieser Sensibilisierungskampagne zur Ressourcenintensität von Handys ist auch eine Sammlung von Althandys. Bis jetzt beteiligen sich bereits 1.600 Schulen an der Aktion. JET

 

 

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