Abgelaufen: Wie Schuhe wieder Wertstoff werden

Foto: SOEX GROUP

Wir brauchen sie zum Schutz für unsere Füße – und als modisches Accessoire: Schuhe. Aber wenn ihre Zeit im wahren Wortsinn „abgelaufen“ ist, sind sie für die meisten von uns nichts mehr wert und landen im Müll. Dabei stecken auch im Schuhwerk viele Wertstoffe. Mit einer neuen Pilotanlage versucht die Textil-Vermarktungsgesellschaft SOEX GROUP diese zurück zu gewinnen – und in den Rohstoffkreislauf einzubringen. global° sprach mit Pailak Mzikian, dem Head of Recycling & Sustainability über die Motive des Unternehmens.

 

Foto: SOEX GROUP

Wie groß ist der „Markt“ mit alten Schuhen in Deutschland (auf der Welt)?

Pailak Mzikian : Hierzu können wir keine Auskunft geben, da wir keine Zahlen für Deutschland kennen. Fakt ist, dass wir cirka 25 Tonnen, also etwa 35.000 Paar Schuhe pro Tag sortieren, verkaufen oder fachgerecht entsorgen.

 

Warum gab es bislang noch kein funktionierendes Recycling für Schuhe?

Schuhe zu recyceln setzt einiges voraus, da sie aus mehr als 40 unterschiedlichen Materialien bestehen. Das funktionierende Recycling von Schuhen birgt somit eine Vielzahl an Herausforderungen.

 

Wer liefert Ihnen das Material?

Alle Textilien und Schuhe, die unser Werk in Wolfen erreichen, werden von uns oder von unseren Partnern gesammelt oder kommen als überschüssige Ware aus dem Handel zu uns.

 

Unterstützen Sie damit karitative Einrichtungen?

An den meisten Standorten in Europa arbeitet die SOEX GROUP mit karitativen Organisationen zusammen. In Deutschland organisiert die Gruppe seit Jahrzehnten eine karitative Altkleidersammlung über ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft, die EFIBA Handelsgesellschaft mbH. Nach dem Prinzip „Sachspenden werden zu Geldspenden“ wurden so zuverlässig erhebliche Finanzmittel für karitative Organisationen erwirtschaftet.

 

Foto: SOEX GROUP

Seit wann haben sie die Maschine entwickelt?

Mit der Entwicklung der Pilotanlage wurde Anfang 2013 begonnen.

 

Was war der Anlass?

Neben unserem Engagement zur Reduzierung von Abfall (Stichwort: „zero waste“) spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle: Im Wolfener Werk der SOEX GROUP< kommen täglich ca. 35.000 Paar Schuhe an. Etwa 75 Prozent der gesammelten Schuhe sind noch so gut erhalten, dass sie als Secondhandware weiterverwendet werden können. Etwa 25 Prozent hingegen sind nicht mehr tragbar und gehen heute in die thermische Verwertung. Die entstandenen Kosten für Einkauf, Sortierung und fachgerechte Entsorgung trägt unser Unternehmen. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir mit dem Recycling von Schuhen neben den ökologischen Vorteilen, auch eine Kostenoptimierung herbeiführen können.

 

Wie viele Paar Schuhe können Sie damit recyceln und wozu werden diese dann verarbeitet?

Bei durchgehendem Betrieb könnte die Pilotanlage täglich bis zu einer Tonne Schuhe recyceln. Das entspricht rund 700 Paar. Diese werden zunächst zu Gummi- und Lederstückchen sowie Stofffetzen verarbeitet, die wiederum für die Herstellung weiterer Produkte verwendet werden können. Wir gehen von einem großen Anwendungspotential sowohl in der Schuhindustrie sowie in anderen Industriezweigen aus und prüfen diese zurzeit.

 

Wer nimmt das recycelte Material ab?

Ein wichtiger Teil unseres Projektes beinhaltet die Erstellung marktfähiger Produkte zur Erschließung neuer Märkte. Hierzu arbeiten wir mit unterschiedlichen Partnern aus verschiedenen Branchen zusammen. Bei unseren Erzeugnissen aus Gummi gehen wir von einer großen Bandbreite von Einsatzmöglichkeiten aus. Dadurch erhöht sich die Anzahl möglicher Abnehmer.

 

Ist das gewonnene Recyclat sortenrein?

Ja, es ist nahezu sortenrein. Je nach Anwendung und Anforderungen des Endkunden, wird das Recyclat in einem weiteren Aufbereitungsschritt etwa zu Granulat oder Pulver weiterverarbeitet. Aus Feingranulat kann wiederum durch Hitzezufuhr und Bindemittelzusatz ein neues „Zwischenprodukt“ hergestellt werden.

 

Ist eine Verarbeitung zu Schuhen denkbar (Recycling statt Downcycling)?

Wir sind davon überzeugt, dass es möglich sein wird und arbeiten derzeit mit verschiedenen Schuhherstellern zusammen, um den Einsatz des Recyclats zu prüfen.


red

 

 

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