Allianz von Wirtschaft und Politik verschärft den Hunger

Demo vor der Deutschen Bank in Frankfurt Foto: Oxfam

Ein langes Absperrband schwebt vor den Türmen der Deutschen Bank in Frankfurt. „Welternährung sichern – Spekulanten in die Schranken weisen!“, steht darauf geschrieben. Menschenrechtler und Entwicklungshelfer demonstrierten heute, einen Tag vor dem Welternährungstag 2013 gegen die Spekulationen mit Nahrungsmitteln – ein Grund, warum immer noch 842 Millionen Menschen weltweit an chronischem Hunger leiden müssen.

 

Der Hunger auf der Welt ist kein Naturgesetz und kann beendet werden. Niemand braucht Finanzprodukte, mit denen auf Kosten der Ärmsten Profit gemacht wird. Das Menschenrecht auf Nahrung wird von den Spekulanten mit Füßen getreten“, sagt Jan Urhahn von INKOTA. Das ökumenische Netzwerk rief gemeinsam mit Oxfam, attac, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, KAB, medico, misereor und Weed zu der Demonstration auf.

 

Auch der deutsche Versicherungsgigant die Allianz hat „an den Börsen mehr als 6,2 Milliarden Euro in Agrarrohstoffen angelegt“. Und verschärft somit laut Oxfam-Handelsexperte David Hachfeld den weltweiten Hunger: „Kein deutsches Finanzinstitut spekuliert stärker mit Nahrungsmitteln als die Allianz.“

 

 

Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Hunger Foto: Worldvision

Die Sicherstellung der Ernährung ist das Ziel der Welternährungsorganisation FAO. Sie wurde am 16. Oktober 1945 gegründet. Seit 1979 findet jedes Jahr am 16. Oktober der Welternährungstag statt, um auf den weltweiten Hunger aufmerksam zu machen. Jeder achte Mensch leidet an Hunger. Die überwiegende Mehrheit der Hungernden lebt in Entwicklungsländern. In Asien hungern 552 Millionen Menschen (13,5 Prozent der Bevölkerung) und in Afrika 226 Millionen (21 Prozent). In der Subsahara hungert fast jeder vierte Mensch – insgesamt 222,7 Millionen. Laut Brot für die Welt trifft es Frauen und Mädchen am härtesten, sie machen 70 Prozent der weltweit Hungernden aus.

 

Brot für die Welt stellt gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation FIAN die „Allianz der Politik mit Konzernen“ an den Pranger. Sie „verschärft den Hunger“ – so Kernaussage ihres aktuellen Jahrbuches zum Menschenrecht auf Nahrung. Ernährungsexperten stellten die Frage: Warum hungert jeder achte Mensch, wenn es genügend Nahrungsmittel für alle gibt? Die Verstrickung von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Politik ist wesentlicher Grund für dieses Elend. Sobald große Konzerne mitbestimmen, wofür Staaten öffentliche Gelder ausgeben und wie sie ihre Gesetze schreiben, werden „Interessenskonflikte tabuisiert und Menschenrechte ignoriert“.

 

Alle 8 Stunden begeht ein indischer Bauer Selbstmord Foto: Occupy Monsanto

Auch die Biospritpolitik der Europäischen Union hat zu einer Verschärfung der Hungersituation beigetragen. „Das 10 Prozent Beimischungsziel für Biosprit ist eindeutig zu hoch“, sagt Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt. „Ein Drittel der benötigten Energiepflanzen wird importiert: vor allem Soja aus Südamerika und Palmöl aus Indonesien. Dort werden Bauern von ihrem Land vertrieben oder müssen für Hungerlöhne auf den Plantagen arbeiten. Hunger und Armut sind die Folge.“

 

Die FAO zeichnet für 2013 einen Rückgang der Hungernden um 26 Millionen zu 2012 ab. Doch Roman Herre, Agrarreferent von FIAN rechnet anders: „Dieser Erfolg ist leider vor allem einer neuen Zählweise geschuldet. Die Effekte steigender Nahrungsmittelpreise etwa werden kaum mehr berücksichtigt.“ Erfasst wird nur, wer ein Jahr lang ununterbrochen gehungert hat. „Menschen, die durch extreme Wetterereignisse ihre Ernte und damit ihre Ernährungsgrundlage für Monate verlieren, fallen durchs Raster. Aus unserer Sicht hat sich an den realen Faktoren, die zu Hunger führen, nichts gebessert.“

 

Jetzt schon sind Kleinbauern die meisten Opfer von Hunger (50 Prozent). Die Zukunft der Kleinbauern sieht schwarz aus: Der große Run auf Ackerland und Saatgut ist bereits in vollem Gange. So nimmt das „Landgrabbing“ im Jahresbericht von Brot für die Welt und FIAN ein großes Kapitel ein. Fazit: „Die Privatisierung öffentlicher Güter wie Ackerland und Saatgut gefährdet das Recht auf Nahrung der ländlichen Bevölkerung.“

 

Genauso sehen das über 2 Millionen Menschen und marschierten am 12. Oktober auf der ganzen Welt gegen Monsanto und andere Agrarkonzerne. Sie demonstrierten gegen die Monopolisierung von Saatgut und das Patentieren auf Lebensmittel und Leben. Denn schon Henry Kissinger wusste: „Kontrolliere die Nahrung und du kontrollierst die Menschen.“

 

CFE

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