Bald Zwangsabgabe auf Plastiktüten?

Foto: Wikimedia commons/Vberger

Abgabesteuer auf Plastiktüten? 142 Millionen Tonnen Plastikmüll treiben derzeit durch die Weltmeere- „das ist ein Güterzug von hier bis zum Mond und halb zurück“, veranschaulichte Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, diese erschreckende Zahl.

 

Nicht nur die Meere, auch so manches Süßwassersystem ist schwer betroffen. Das Ergebnis der Vermüllung sind zum einen Fische und Seevögel, die die winzigen Plastikpartikel mit ihrer natürlichen Nahrung verwechseln- und im schlimmsten Fall an den Folgen sterben. Zum anderen sind es die Menschen, in deren Nahrungskette die gefährlichen Winzlinge schließlich enden können.

 

Handlungsbedarf versteht sich also von selbst- doch was am besten tun? Darüber berieten jetzt mehr als 200 internationale Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bei der dreitägigen International Conference on Prevention and Management of Marine Litter in European Seas in Berlin.

Foto: DUH

Plastiktüten bald nicht mehr kostenfrei?

 

Sowohl die EU-Kommission als auch das Umweltbundesamt (UBA) plädierten für eine Zwangsabgabe auf Plastiktüten. "Es gibt gerade in Bekleidungsgeschäften, Drogeriemärkten und Kaufhäusern keine Bezahlpflicht, daher empfehlen wir, dass diese Tüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden", sagte Flasbarth gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Laut Spiegel Online hat Irland habe damit bereits gute Erfahrungen gemacht- seit der Einführung von 44 Cents pro Tüte sei der Verbrauch pro Kopf und Jahr von 328 auf 18 zurückgegangen. In Deutschland greife hingegen immer noch jeder Bürger im Schnitt jeden fünften Tag zur Plastiktüte!

 

Eine Abgabe von 22 Cents für eine Tüte halten auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sowie etliche Politiker für sinnvoll- der Konsum erdölgebundener Kunststoffe müsse dringend eigeschränkt werden, forderte etwa Grünen-Bundestagsabgeordnete Dorothea Steiner gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Peter Altmaier (CDU) scheint hingegen kein Freund der Zusatzabgabe zu sein. Stattdessen müsse auf mehr Recycling und vor allem Müllvermeidung gesetzt werden, so der Bundesumweltminister.

Foto: Wikimedia commons/Michael Gäbler

Gefahr in Klamotten und Duschgels

 

Und wie sieht es in der Bevölkerung aus? Die zu diesem Zweck gestartete, nicht repräsentative Umfrage der Bild-Zeitung lieferte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels ein ausgeglichenes Bild: Mit 51 Prozent der Befragten sprach sich eine knappe Mehrheit für das Tütenverbot aus. Die allgemeine Einstellung zu Plastik scheint hingegen klar, wie eine DUH-Umfrage zeigte: Ganze 97 Prozent der Befragten hielten die Einwegtaschen für äußerst umweltschädlich. Dennoch lehnten drei Viertel der Umfrageteilnehmer die Tüten nicht ab, wenn sie ihnen an der Ladentheke in die Hand gedrückt wurden.

 

Doch die Einweg-Tragetaschen sind bei weitem nicht das einzige Problem, mit dem die Meere zu kämpfen haben. Hinzu kommt von den Schiffen direkt in die Fluten entsorgter Müll. Und auch in Peelings, Duschgels und den Klamotten lauert die Gefahr: Die winzigen darin enthaltenen Kunststoffpartikel gelangen (beim Waschen) in den Abfluss, entgehen erfolgreich den Kläranlagen und landen schließlich ebenfalls in den Ozeanen.

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Mehr Mülltrennung und Recycling gefordert

 

Während der Berliner Konferenz wurden unter anderem Forderungen nach einer Pfandpflicht für Fischernetze laut, die verhindern soll, dass die Netze „kostengünstig“ im Wasser „entsorgt“ werden, wo sich Meerestiere darin verheddern können. Auch eine Integration der Abfallentsorgungs- in die Hafengebühren, wie es in Ostseehäfen bereits der Fall sei, wurde vorgeschlagen. EU-weit sei mehr Mülltrennung und Recycling vonnöten- in Europa landen laut DUH neun von zehn Einwegtaschen auf der Müllkippe statt in der Wiederverwertung. Experten schlugen, ähnlich wie bei Treibhausgasen, die Festsetzung eines verbindlichen Grenzwerts für Plastiktüten vor.

 

Auch Sie können etwas tun: Gemüse lässt sich im Supermarkt auch direkt auf der Waage wiegen (ohne Plastik dazwischen), packen Sie beim Einkauf Ihre Neuerwerbungen direkt in den Rucksack oder die Mehrwegtasche (hier heißt es aufmerksam und schnell sein, die VerkäuferInnen sind nur allzu rasch mit der Tüte zur Hand) und vergessen Sie nicht, bei Bedarf ordnungsgemäß Ihren Gelben Sack zu füttern (und selbst da lohnt es sich, zweimal zu überlegen: Manches lässt sich wieder verwenden!). Und denken Sie daran, wie viel Unheil eine einzige über die Straße flatternde Tüte anrichten kann… NISO

 

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